Liebe Leser.
Bei einem Tag, der um 6 Uhr morgens beginnt und meist gegen etwa 22 Uhr endet – vollgefüllt mit Arbeit, Lernen, Programm – ist es schwierig, an einen Bericht zu denken, oder gar ihn zu schreiben.
Infolge eines Regentages heute (es wird nun kalt hier!) und nur einer halben Stunde Arbeit statt einer ganzen (nachmittags’ Foodlifework), habe ich nun ein bisschen Zeit gefunden, diesen dritten Bericht zu vervollständigen.
Um es für Sie und euch so einfach wie möglich zu machen, aber auch um selbst ein bisschen einen Überblick zu bekommen, versuche ich das ganze so strukturiert wie möglich zu gestalten:
Neues aus der Arbeit 1 (Büro)
- Admissions – was passiert
- Allgemein
- Geschlechterproblem?
- Was passiert jetzt (Bewerber)
- „Restoration of Good Cooperation“ und neue Länder
- „Network“
- Broschüre
- Website
Neues aus der Arbeit 2 (Feld)
- Feldarbeit, was ändert sich
Neues aus der Arbeit 3 (HTC)
- HTC, die Vorbereitungswoche, Meetings und Evaluieren
Morning Gathering
Was passiert in Japan?
Gedankenausriss
- Was geschieht in …?
Neues aus der Arbeit 1 // Admissions
Meine eigentliche Arbeit ist Admissions. Das heißt, Michi (meine Chefin) und ich, sind dafür zuständig, wer nächstes Jahr im April als Participant aus den Entwicklungsländern zu uns, zu ARI kommt. Konkret heißt das, dass es etliche Anfragen von für uns neue Organisationen gibt, die gerne weitere Informationen über das Ausbildungsprogramm für die Führungspersönlichkeiten aus Entwicklungsländern haben möchten.
Das Programm hier wird übrigens „Leadership Training“ genannt. Es dient also nicht in erster Linie der Ausbildung von Wissen über ökologische, integrierte und nachhaltige Landwirtschaft (was aber natürlich den größten Teil ausmacht), sondern wie die Personen als „Führer“ (dieses Wort ist speziell im deutschen sehr negativ belegt) in ihren Gemeinden und Organisationen arbeiten können. Ganz wichtig hierbei ist der Begriff „Servant Leadership“, d.h. dienende Führerschaft. Schon in der Bewerbung fragen wir die Bewerber, was sie als Führerschaft verstehen und legen sehr großen Wert darauf, dass die dienende Führerschaft richtig verstanden wird. Die „Führer“ sollen so auf gleichem Level arbeiten, wie alle anderen, von allen Menschen lernen, aber da Tipps und Ratschläge geben, wo sie gefragt werden oder wo sie helfen können. Es soll also keine diktatorische Führerperson sein, sondern gerade das Gegenteil. Quasi Freund und Organisator, wenn man so will.
Das „Leadership Training“ das die Participants hier also neun Monate absolvieren umfasst Wissen und Erfahrung zu erhalten in eben (ökologischer) Landwirtschaft, (dienender) Führerschaft und Gemeinschaftsleben.
Geschlechterproblem?
„Wie sehen Sie die Rolle der Frauen in Ihrer Region?“ fragen wir die Bewerber in ihrer Bewerbung. Meistens lautet die Antwort, dass Frauen weniger Rechte haben, weniger oder nichts arbeiten (oder ihren Männern teilweise auf den Feldern helfen) – bzw. nicht die Möglichkeit und Gelegenheit bekommen, zu arbeiten; oder dass sie unterdrückt werden. Es gibt auch die Fälle, dass Frauen die Arbeit machen müssen, und die Männer sich dann gemütlich mit Bier vor dem Fernseher ausruhen.
(Das Schöne hier ist, dass diese Dinge keine Vorurteile sind, sondern man sie ganz konkret von all den Menschen mitbekommt!)
Nehmen wir den Fall Philippinen, ist das aber ein wenig anders. Zumindest scheint es so. Die Philippinen ist das einzige Land, das durchweg fast nur weibliche Bewerber zu ARI sendet. Und da wären wir auch schon beim Thema: Sind eigentlich genauso viele Frauen und Männer hier? Nein!
Es soll natürlich ausgewogen sein, und nicht nur hier, sondern gerade auch in den Entwicklungsländern. So versuchen wir, mehr und mehr Organisationen davon zu überzeugen, doch lieber eine Frau anstatt eines Mannes als Participant zu ARI zu senden. In Bangladesh ist die Situation sogar noch ein wenig krasser: Von dort nehmen wir nur noch Frauen. Das hat allerdings auch einen speziellen Grund, denn bisher haben so gut wie alle Männer, die hier als Participant waren, versucht, unterzutauchen und illegal in Japan zu leben. Deshalb nun diese Regel.
Wie auch immer ist die Situation schwierig. Organisationen in den Entwicklungsländern – sei es Afrika, Südasien oder Südostasien (wobei hier nicht ganz so stark) – denken zunächst nur an die Männer, die auch meist die führenden Rollen in ihren Organisationen haben. Andererseits sehen wir hier, in ARI, wie stark manche Frauen sein können, und eben wie schwach manche Männer. Es ist eben ausgewogen, und so müssen wir in der Arbeit versuchen, eine ausgewogene Anzahl von weiblichen und männlichen Bewerbern zu erhalten. Für das Jahr 2007 sind die Bewerbungen nun abgeschlossen. Leider haben wir zwar nicht dieselbe Anzahl von weiblichen und männlichen Bewerbern, aber es ist ausgewogener als letztes Jahr und von den etwa 50 Bewerbern müssen nun auch noch knapp 30 ausgewählt werden, d.h. es kann durchaus noch ausgeglichen werden! Da wären wir schon beim nächsten Thema:
Was passiert jetzt? (Bewerber)
Immerhin haben wir nun das Bewerberformular von allen Bewerbern erhalten. Es dauert allerdings alles sehr lange. Nach dem allgemeinen Bewerberformular senden wir zusätzliche Fragen und extra Aufgaben an die Bewerber, die sie innerhalb von zwei Wochen zurücksenden sollen. Die zwei Wochen ist eine wage Zeitangabe, die auch mal zwei Monate werden kann. In vielen ländlichen Regionen der Welt gibt es natürlich keinen Computer, auch keine Post, auch keine Autos. Und so braucht es Menschen, die zu Fuß die Post bringen und dafür oft tagelang brauchen. Oder wenn ein Unwetter kommt, und somit das einzige Internet-Café weit und breit lahm gelegt wird, ist es schwierig, die Bewerbungsunterlagen rechtzeitig zu senden – oder überhaupt in Kontakt zu bleiben.
Nichtsdestoweniger sind die meisten Bewerbungen nun komplett, inklusive aller Antworten zu zusätzlichen Fragen und ähnlichem. Auch einer der kommenden Participants ist nun schon entschieden. Er kommt von den Solomon Islands (Südostasien, „in der Nähe“ von Indonesien) und ist Anfang 30. Mehr Details schreibe ich später, wenn mehr Participants entschieden sind!
Arbeit im Admissions-Bereich bedeutet für mich nicht nur Lernen über die ganzen Personen und ihre Arbeit, Organisationen und deren Arbeitsweise, sondern auch über Kulturen, Länder. Es ist oft wie ein Geographie-Unterricht, mitsamt allen Details über die ländlichen Gegenden der gesamten „Entwicklungs-Welt“.
Nun, da alle Bewerber hier sind, setzen sich verschiedene Komitees zusammen um über die Bewerber zu entscheiden. Alle ARI-Mitarbeiter sind darin involviert. Das braucht natürlich Zeit (und im Voraus viel Kopier-Arbeit, da alle auch die Bewerbungen lesen möchten), und so rechnen wir mit Mitte November, bis alles entschieden ist.
Es ist interessant zu lesen, wie der Bewerber aus China zwei Jahre im Gefängnis saß, da er seiner Religion (Christentum) nachgegangen ist. Oder ein Bewerber aus Afrika schreibt überzeugt von der Nutzung von Chemikalien und Pestiziden, wo er sich doch für ein ökologisches, nachhaltiges Landwirtschafts-Training bewirbt.
Wir versuchen immer eine möglichst breit gefächerte Gemeinschaft bilden zu können, schauen also bei den Bewerbern, nicht nur Frauen und Männer, sondern auch viele verschiedene Länder, Organisationen (z.B. kirchlich, NGO = Nicht-Regierungs-Organisation, …) und Religionen zu haben.
Wie auch immer, wir werden sehen! Nun beginnt die Zeit, da wir den Kandidaten (das sind die Bewerber, die als Participants im April 2007 kommen werden) bei vielen, vielen Dingen helfen und assistieren müssen. Sei es das Visa für Japan (und andere Länder, in denen sie einen Zwischenstopp machen werden), sei es das Beantragen eines Ausweises (den viele der Bewerber in ihren Ländern (noch) nicht haben), usw. usw.
Es wird nun richtig spannend, da sich so langsam schon eine Beziehung zwischen Bewerbern und uns aufbaut. Dabei sind Michi und ich die einzigen, die das mitkriegen, da nur wir Kontakt mit ihnen haben. Man lernt die Bewerber kennen, stellt viele Fragen, hat viel Kontakt, mittlerweile mit den meisten per E-Mail. Das wird dann auch im April kommenden Jahres sehr aufregend, da man die Participants schon irgendwie kennt, dann aber erlebt, wie sie tatsächlich hier sind, hier leben und arbeiten! Das tröstet dann auch vielleicht ein wenig über den harten Winter weg, den wir uns zurzeit gerade schon sehr gut vorstellen können. Auch heute stürmt und regnet es wieder, aber vor allem ist es sehr kalt.
Zurück zu einer anderen Arbeit, die ebenso zu Admissions gehört:
„Restoration of Good Cooperation“ und neue Länder
Mein Vorgänger Joschka (an dieser Stelle herzliche Grüße an dich) hat letztes Jahr (oder im Frühjahr dieses Jahres) damit begonnen, Organisationen anzuschreiben, die vor einigen Jahren Leute aus Entwicklungsländern zu ARI gesendet haben, dann aber der Kontakt nicht mehr da war. Nun haben also Organisationen, von denen zwischen 1990 und 1999 Participants bei ARI waren, einen Brief erhalten, dass wir uns freuen würden, weiterhin bzw. wieder Kontakt aufzunehmen. Für uns ist das auch insofern gut, da wir die Organisationen schon kennen, nicht also den Prozess komplett von vorne beginnen müssen, und erst checken müssen, ob die Organisation überhaupt geeignet ist für ARI. Diese Arbeit war schon von Erfolg gekrönt: Wir haben vor einigen Wochen Post aus Kiribati erhalten („in der Nähe“ der Solomon Island, s.o.). Diese Organisation dort hatte einen Participant vor etlichen Jahren und möchte nun für 2007 einen neuen Bewerber senden! Eine Frau! Natürlich haben Michi und ich uns sehr gefreut, da das nicht nur die Verschiedenartigkeit und Ausgewogenheit der Gemeinschaft unglaublich anhebt, sondern auch, dass diese Versuche, alte Kooperationen wieder aufleben zu lassen, auch klappen. An diesen Erfolg (wenn er auch nur klein war), wollen wir anknüpfen. Nun senden wir Briefe an alle Organisationen von 1980 bis 1989. Leider haben wir bei vielen Organisationen keine Adresse mehr (vor allem in den Jahren 1980 bis 1983), und so ist die Gesamtzahl der Organisationen in den 80ern nur 40. Doch besser als nichts. Ich bin gespannt, wie die Reaktionen aussehen werden.
In diesen Briefen fragen wir natürlich auch, wie die Arbeit mit den ehemaligen Participants (wir nennen sie „Graduates“) war oder ist, was sich verändert hat, welches Wissen die Graduates von ARI mitgebracht und angewendet haben.
Neues aus der Arbeit 1 // „Network“
Bevor ich hier in ARI ankam, konnte ich mir nur schwer vorstellen, wie diese Arbeit – also die ganze Kommunikation mit Bewerbern und Organisationen – jeden Tag im Jahr füllen kann. Nun weiß ich, dass ich auch gut am Wochenende oder nachts arbeiten könnte.
Eine meiner anderen Arbeiten, neben Admissions, ist das „Network“. Das Network ist ein Heft, das etwa alle zwei oder drei Monate erscheint (genau weiß ich das gar nicht, ich glaube Michi ebenso wenig) und an alle Graduates auf der ganzen Welt geschickt wird. Im Heft finden sich Neuigkeiten über ARI, Stimmen von Graduates (beispielsweise was sie nun arbeiten, Desaster in ihren Ländern, neue Projekte) und interessante Artikel und Informationen und Verweise zu solchen. Eine meiner Aufgaben war und ist es, das Network neu zu gestalten (naja, das wollte ich auch... es hatte seine Gründe, finde ich ), die Artikel zu arrangieren und ein wenig über Genetic Engineering zu schreiben (darüber habt ihr und Sie ja auch bereits einen Bericht erhalten). In den nächsten Tagen oder Wochen soll das Network fertig gestellt werden. Leider ist auch noch nicht geklärt wo wir es drucken werden (Japan ist zu teuer). Es wurde als in Sri Lanka gedruckt, doch die Qualität war nicht gut, eventuell wird es diesmal Philippinen.
Neues aus der Arbeit 1 // Broschüre
Und wieder eine andere Arbeit (ja, davon gibt es hier noch mehr – und reichlich) ist zurzeit, die Broschüre für alle Bewerber neu zu gestalten. Diese Broschüre soll alle Informationen enthalten, die die Bewerber brauchen um zu wissen, um was es hier geht, was hier gemacht aber vor allem WIE das hier gemacht wird. Viele erwarten von ARI, dass dieses Institut sehr modern ist (vor allem hat das wohl damit zu tun, da es in Japan ist!), mit neuesten Technologien und Apparaten – was man eben von einem Industrieland so erwartet. ARI ist da aber eigentlich eher das Gegenteil. Komplett. Und so fühlt man sich hier (in ARI) eher wie in einem Entwicklungsland (soweit ich das einschätzen kann), aber auf jeden Fall nicht wie in Japan. Nichtsdestoweniger hat man, finde ich, genug Kontakt zu Japan und bekommt genug davon mit!
Wie auch immer bin ich wieder dafür zuständig, die Broschüre zu gestalten. Um zu entscheiden, wie das ganze werden soll, haben sich Steven („Ökumenische Beziehungen“, Mitarbeiter, Amerikaner), Meghan („Ökumenische Beziehungen“, Freiwillige, Amerikanerin), Fr. Laksiri („Ökumenische Beziehungen und Graduate Outreach“, Mitarbeiter, Sri Lanka), Michi („Admissions“, Mitarbeiter, Japanerin) und ich zusammengetan. Dabei ging es dann nicht nur um die Broschüre, sondern auch die Dinge in der Broschüre, das heißt wir diskutierten über die Regeln, wie etwa, dass ein Bewerber mindestens zwei Jahre Arbeitserfahrung in seiner oder ihrer Organisation haben sollte. Wie alt sollten Bewerber sein? Ist 23 zu jung? Oder 26? Sollten wir uns eher auf ältere oder jüngere Bewerber konzentrieren? Wer lernt mehr aus ARI, die Führungspersönlichkeiten mit langer und viel Erfahrung, oder jene, die erst vor kurzem oder vor wenigen Jahren gestartet haben?
Viele Fragen, viele Meinungen, viele Antworten. Im Laufe der Berichte und des Jahres werde ich sicherlich auf die eine oder andere Frage zurückkommen. Viele der Fragen kann ich persönlich noch nicht beantworten, und selbst nach dem Jahr weiß ich nicht sicher, ob ich sie beantworten werden kann.
Neues aus der Arbeit 1 // Website
Und zu guter Letzt wieder etwas anderes, was es im Büro zu tun gibt. Die Website. Zwar hat ARI eine Website, sowohl auf Englisch als auch auf Japanisch, allerdings sind die Informationen nicht sehr gut sortiert, die Seite ist teils veraltet, und das Design ist auch nicht überragend! (www.ari-edu.org) Gerade für 1. Organisationen, 2. Bewerber, 3. Graduates, 4. Spender und 5. Gäste/Freiwillige ist es wichtig, die Informationen, die alle jeweils benötigen, gut sortiert und klar strukturiert vorfinden zu können. Und aus diesem Grund heißt es nun: Neue Website!
Durch meine Erfahrung im Website-Gestalten wurde mir diese Arbeit auch aufgehalst – na ja, womöglich habe ich sie mir selbst aufgehalst und freue mich auch darüber! Es gilt, nicht nur ein schönes neues Design zu kreieren, sondern auch den gesamten Inhalt zu überdenken! Wieder eine sehr spannende Arbeit, gerade wenn ich dabei an die Zielgruppe der Website denke: Japanische Working Visitor, Freiwillige aus Industrieländern, Bewerber aus allen möglichen Entwicklungsländern, Unterstützer und Spender aus vor allem Amerika und Japan – und dann noch all die anderen Interessenten und Website-Besucher.
Ganz so einfach ist das mit dem Website-Kreieren allerdings auch nicht, und so muss viel erst wieder im „Staff-Meeting“ (Mitarbeiter-Konferenz) entschieden werden, angefragt werden, bestätigt werden… (wie etwas die Idee, dass wir eine Seite mit allen Mitgliedern der ARI-Gemeinschaft erstellen, sodass jeder ein eigenes Profil mit Name, Text und Bild hat!)
Klappen wird das schon alles, es dauert nur ewig. Das ist übrigens nicht nur auf solcherlei Entscheidungen zutreffend… (Dass erkläre ich in der Rubrik HTC auch noch mal genauer!)
Neues aus der Arbeit 2 // Die Feldarbeit
Nun, da es so langsam bitter kalt zu werden scheint, wird natürlich auch die Arbeit auf dem Feld anders. Denn, nicht zu vergessen, neben der ganzen Büro-Arbeit bin ich auch noch auf dem Feld…
Auch auf dem Feld war die Arbeit bisher immer verschieden. Natürlich müssen wir oft Unkraut jäten und ernten (zweimal die Woche). Daneben gibt es aber noch andere Dinge wie etwa Bokashi herstellen (natürlicher, organischer Dünger) oder neue Gemüsesorten pflanzen. Da es nun aber kalt wird, ist die Saison für viele Gemüsesorten schon vorbei! Wir pflanzen hier übrigens eine Menge Gemüse an, und leider weiß ich bei den meisten nicht den Deutschen Namen, bzw. viele davon kennen wir in Deutschland glaube ich gar nicht. Aber einige bekannte Sachen sind z.B.: Karotten, Tomaten, Kartoffel, süße Kartoffel, Kürbis, Rettich, Bohnen, Kohl, Chili und natürlich Reis!
Die Arbeit auf dem Feld ist ein sehr schöner Ausgleich zur Büroarbeit, und abgesehen vom Wind ist es draußen auch nicht kälter als drinnen (insofern macht das keinen Unterschied). Ich habe mich mittlerweile sehr gut an die Arbeitstage hier gewöhnt. Es ist viel Arbeit, aber es macht Spaß und ist sehr interessant!
Neues aus der Arbeit 3
HTC, die Vorbereitungswoche, Meetings und Evaluieren
Das mit dem Spaß muss man teilweise doch revidieren. HTC an sich war großartig, doch die einen oder anderen Besprechungen waren schwierig. Nun denn… HTC!
HTC bedeutet Harvest Thanksgiving Celebration, auf Deutsch Erntedankfest. Das ist hier eine riesige Veranstaltung bzw. die Veranstaltung überhaupt. Neben vielen hunderten Menschen kam zum Beispiel auch das nationale Fernsehen. HTC hat jedes Jahr ein anderes Logo und Motto. Dieses Jahr einigten wir uns auf „Work with nature – keep in balance“ (Arbeite mit der Natur, bleibe/sei ausgeglichen), und das dazugehörige Logo sieht folgendermaßen aus:
(siehe Bilder-Seite)
HTC fand am 14. und 15. Oktober (Samstag und Sonntag) statt. Für uns fing HTC allerdings schon im September an, da wir uns oft in unseren Gruppen trafen um mit der Planung weiter zu kommen. Eine Woche vor HTC stoppten dann alle mit ihrer normalen Arbeit (ja, zwischendurch, falls möglich, sollte ich doch noch im Büro die eine oder andere Arbeit erledigen) um sich komplett auf HTC vorzubereiten! Das hat viel Spaß gemacht, war aber auch anstrengend. Das eigentlich anstrengende war allerdings nicht die Arbeit an sich, sondern das Kommunizieren mit einigen Leuten. Gerade wenn Englisch für einige sehr schwierig ist und bei weitem nicht die Muttersprache, so ist es schwierig sich ordentlich zu einigen oder gar Probleme vernünftig zu lösen.
Ich war in der „Support.ari“ Gruppe, die sich um die Ausstellungen, das Kinderprogramm und den Bazar kümmerten. Die Ausstellungen sollten ARI so gut wie möglich darstellen und (re)präsentieren, im Bazar werden Produkte von den Participants angeboten (z.B. Taschen, Armbänder, Kleider) sowie ARI-Produkte verkauft (jede Menge ökologische Nahrungsmittel, T-Shirts und Cookies und ähnliches). Das Kinderprogramm sollte natürlich die Kinder unterhalten. Wir waren etwa 12 Leute in dieser Gruppe, wobei wir dann noch mal alles in „Untergruppen“ aufgeteilt hatten. So war ich dann letztendlich für das Kinderprogramm mitverantwortlich, bzw. hatte dort einen großen Teil, den ich eigenverantwortlich und selbstständig tun durfte. Ich zimmerte eine große Wand (1x5 Meter), an der die Kinder dann malen konnten und machte Spiele wie etwa Topfschlagen! Den Kindern hatte es viel Spaß gemacht, und mir auch! (Bilder davon gibt es auf www.dennis-japan.blogspot.com)
Ansonsten konnte man ein buntes Programm auf der Bühne verfolgen, wo die Participants und ARI-Mitglieder sangen, tanzen und Traditionelles aufführten. Ich selbst spielte auch Cello.
Auch das Essen war sehr vielfältig, da auch hier viel Traditionelles aus etlichen Ländern angeboten wurde.
Das anschließende Evaluieren also Auswerten von HTC war wiederum etwas schwierig, und der Leiter unserer Gruppe verstand so gut wie nichts. Letztendlich haben wir ihm jedes Wort diktiert, dass er auf das Auswertungs-Blatt schrieb.
Beim Auswerten ging es um unsere Ziele (die aber vor HTC nie wirklich so klar waren), ob wir sie erreicht hatten (dafür suchten wir nun unsere Ziele), ob wir Minus oder Plus gemacht hatten (Budget war ein anderes großes und wichtiges Thema) und wie wir HTC empfanden und was wir gelernt haben.
Gelernt habe ich, wie schwierig Gruppenarbeit mit Menschen aus so vielen Ländern ist. Wie schwierig Kommunikation ist – was ich hier jedoch oft und immer wieder lerne. Aber ich habe auch gelernt, wie man eine große Veranstaltung organisieren kann und wie viel Spaß das machen kann. Im Großen und Ganzen war es sehr schön und interessant. Natürlich habe ich auf dem Bazar auch einige schöne Dinge gekauft, z.B. ein Hemd aus Bangladesh oder Armketten aus Kamerun.
Morning Gathering
Morning Gathering = Morgenversammlung. Zwischen Frühstück und Arbeit findet jeden Morgen die Morning Gathering statt. Da versammeln sich alle ARI Mitglieder (Participants, Training Assistants, Graduate Interns, Mitarbeiter, Freiwillige, Besucher, Working Visitor) in der hauseigenen kleinen Kapelle. Während der Morning Gathering werden Neuankündigen gemacht, Neuankömmlinge begrüßt und vorgestellt, von irgendwelchen Ereignissen berichtet aber vor allem „geteilt“. Jeden Morgen hat ein anderes Mitglied die Verantwortung und leitet die Morning Gathering. Dabei stehen ihm etwa 40 Minuten zur Verfügung, um über irgendetwas zu erzählen. Wir nennen das „Sharing“ (also Teilen).
ARI hat seine Wurzeln im christlichen Glauben. So ist es vielleicht wichtig zu erwähnen, dass hier oft gebetet wird. In der Morning Gathering wählen viele der Leiter auch eine Bibelpassage zum Lesen. Die meisten der Participants sind Christen. Jedoch sind Christen nicht gleich Christen und es gibt enorme Unterschiede, je nach Land und Konfession. Jedenfalls sollte das Sharing eine irgendwo spirituelle Basis haben, auch wenn ARI offen für alle Religionen ist und auch für die Menschen, die nicht religiös sind.
In der Praxis sieht es nicht ganz so aus. Nicht jeder hat ein Sharing, das eine spirituelle Basis hat. Dennoch gibt es sehr interessante Vorträge oder Präsentationen. Manchmal wundert man sich auch, dass das alles schon vorbei ist – dann ist man wahrscheinlich eingeschlafen; teilweise ist es wirklich etwas langweilig.
Die Themen können sehr verschieden sein, eben so, wie es die Menschen hier sind. Sei es die grüne Revolution in Bangladesh, Informationen über Sri Lanka, ein Lied auf einer Flöte, warum man als Missionar zu ARI kommt, was einen guten Führer/Leiter ausmacht oder Salsa-Tanzen…
Auch ich hatte bereits mein Sharing vor etwa einem Monat. Es ging ein bisschen darüber, dass es nicht nur wichtig ist was wir machen, sondern auch wie wir es tun. Wen es interessiert, dem kann ich gerne mein Sharing mailen.
Was passiert in Japan?
Auch wenn es den Anschein macht, dass ARI hier unser ganzes Leben in Anspruch nimmt, so gibt es doch noch ein Leben außerhalb ARIs. Ein bisschen Japan kriegen wir hier mit, ein bisschen, was, so finde ich, genug ist. Zwar ist ARI wie eine weitere Insel in der Insel Japan, dennoch kommt man hier oft raus und ist in diesem so komplett anderen Leben einer wahnsinnig anderen Kultur.
Und ich glaube, so wenig ist es auch nicht, was wir vom eigentlichen Japan erleben. Da wäre das Internationale Festival in Utsunomiya, der Besuch in Nikko – einer berühmten Stadt mit alten Tempeln umgeben von Bergen und Wäldern, Sushi-Essen in der Stadt oder einfach der wöchentliche Japanisch-Unterricht.
Was neben ARI so alles passiert, wie sozusagen meine Freizeit aussieht, beschreibe ich auf www.dennis-japan.blogspot.com, das ist so was wie ein Online-Tagebuch. Dort sind auch viele Bilder.
Was geschieht in …?
In Nepal zum Beispiel ist immer noch das Kastensystem vorhanden, vor allem in den ländlichen Gegenden. Menschen aus der untersten Kaste dürfen dort nur bestimmten Arbeiten nachgehen. Menschen der höheren Kaste dürfen zum Beispiel nicht mit den Händen die Erde umgraben. So sind die meisten Lehrer oder haben Büroberufe, während die Menschen niederer Kasten meist in der Landwirtschaft arbeiten.
In Myanmar, eines der ärmsten Länder der Welt, wo immer noch das Militär das Land regiert, leben nicht nur Tiger und andere wilde Tiere, sondern die Menschen (vor allem im ärmsten Staat des Landes: Chin Staat) leben von einigen wenigen Dollars im Monat. Einer der Participants hier verdient monatlich etwa 12 US-Dollar. Davon muss sich die Familie ernähren und die Kinder in die Schule gehen.
Um von der Arbeit und den Heimatdörfern in die Stadt zu kommen – also dorthin, wo es Autos, Elektronik, Internet und Computer gibt (allerdings niemals so, wie wir das kennen) – braucht man einige Tage. Natürlich kann man nur laufen, denn Autos haben viele der Menschen in den ländlichen Gegenden aus Chin Staat nie gesehen. Das einzige moderne: Vielleicht mal ein Flugzeug am Himmel.
Auch für 2007 haben wir eine Bewerberin aus dieser Region. Sie ist 24 Jahre alt, also im Vergleich noch relativ jung, arbeitet allerdings schon lange (seit ihrer Kindheit) in der Landwirtschaft und möchte nun Participant bei ARI werden.
Dennis Keller
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