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Zivildienst (ADiA) in Japan im Asian Rural Institute (ARI) - Berichte:    ( Nach oben    Übersicht )

Genetic Engineering

vom 01.10.2006 09:36


Genetic Engineering --> Genetic Modification

Als erstmals genetisch veränderte Nahrungsmittel und Saatgut entwickelt wurde, war der Begriff „Genetic Engineering“ gebräuchlich. Da die Unternehmen jedoch befürchteten, dass die Menschen aufgrund dieses Begriffes Furcht bekämen, wurde er geändert zu „Genetic Modification“.
In mittlerweile fast allen Industrieländern hat man die Wahl zwischen zwei Sorten von Nahrungsmitteln. Entweder man entscheidet sich für ökologisch angebautes Essen, oder aber für das andere. Und das heißt mittlerweile: Genetisch verändertes Essen!
Auch wenn in Europa die Auflagen sehr hoch sind, es offiziell illegal scheint, oder eine Kennzeichnungspflicht besteht, ist das Problem tiefgreifender. Und trotz scheinbarer nicht bekannter Risiken liegen viele Probleme auf der Hand.

Es gibt mittlerweile drei Bereiche, in denen „Genetic Engineering (GE)“ angewendet wird.
1.) Herbizide und Insektenresistenz
2.) Nahrungsergänzungsmittel
3.) Biopharmazeutika

- Im ersten Bereich ist vor allem „Monsanto“ bekannt, ein riesiger Konzern der auf der ganzen Welt sein gentechnisch verändertes Saatgut verkauft. Dieses Saatgut („Roundup“) ist gut für Landwirte, da die Gene von bestimmten Insekten in die Herbizide eingepflanzt wurden. Das heißt, alles stirbt ab – außer der Pflanze, die mit dem Herbizid eingesprüht wird.
- Der zweite Bereich dient dazu, per Gentechnik Pflanzen und bestimmten Sorten (Mais, Reis) Nahrungsergänzungsmittel hinzuzufügen, zum Beispiel mehr Vitamin A, oder Färbungsmittel, so dass die Tomaten roter werden (--> mehr Konsum da ansprechender und „gesünder“).
- Der dritte Bereich ist komplexer und sehr erschreckend. Dazu später!

Diese zwei Bereiche scheinen nun viele Vorteile zu haben, es braucht weniger Arbeiter, die Ausbeute ist größer, es kann schneller geerntet werden, es gibt keine Unkrautplage. Jedoch:
Die Probleme
Wenn alles abstirbt heißt das, dass auch die Organismen in der Erde sterben. Und damit stirbt die Erde. Wenn nun die Erde tot ist, wird das Land mehr und mehr unfruchtbar, und mehr und mehr künstliche Mittel werden benötigt, um etwas anzubauen. (Mittlerweile wird auch viel schon damit getestet, komplett ohne Erde Gemüse anzupflanzen, rein chemisch bzw. gentechnisch veränderte Materialien!)
Mit den Insektiziden und Herbiziden entstehen mit der Zeit das „Superunkraut“ sowie die „Superpest“. Insekte passen sich der Umgebung an, und so werden sie immer stärker, sind irgendwann auch wieder resistent gegen die sehr starken Insektizide; ebenso mit Unkraut.
Die unglaubliche Verbreitung, Verschmutzung durch das gentechnisch veränderte Saatgut ist ein anderes Problem. Durch Wind oder Insekte wird Saatgut einfach verbreitet, und so passiert es, dass die GE Materialien auch auf ökologischen Feldern Einzug halten.

Schmeizer in Kanada: Ökologisch ist nicht mehr!
Es gibt ein berühmtes Beispiel. Percy Schmeizer hat in Kanada Canola angebaut. Ökologisch. Sein Nachbar allerdings hat Roundup-Herbizide von Monsanto benutzt. Durch den Wind ist das Saatgut auf sein Feld gekommen, und hat somit das Canola von Schmeizer „übernommen“. Plötzlich war nur noch gentechnisch verändertes Canola auf seinem Feld. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre (wer von seinen Kunden will plötzlich das gentechnisch veränderte Produkt?), wurde er von Monsanto verklagt, da er illegal das GE Saatgut verwende. Schmeizer, im Gegensatz zu vielen anderen, wollte dagegen ankämpfen. Der Fall ging bis hin zum „Surpreme Court“. Letztendlich hat aber Monsanto gewonnen. Die Begründung fußt im Patentgesetz, welches besagt, dass, egal wie auch immer man an die Produkte kommt, man für die Nutzung der patentierten Produkte zahlen muss.

Genetisch verändertes Saatgut gewinnt allerdings immer die Vorherrschaft auf dem Feld, da es viel stärker ist, als das natürliche. So ist nicht nur Schmeizers Feld nun kein ökologisches mehr, sondern 20 Prozent der gesamten Landwirtschaft in den USA. 70 Prozent der Baumwolle in den USA. Und was passiert damit? Es wird exportiert in die ganze Welt. Und selbst in Ländern, in denen das gentechnisch veränderte Essen nicht legal ist, das Saatgut kommt trotz allem. So etwa in Japan. Obwohl hier bisher kein Landwirt GE Saatgut von Monsanto benutzte, wurden 2 große Felder entdeckt, die eine bestimmte Reisart anbauen, die von Monsanto gentechnisch verändert ist. Wie funktioniert das?
Durch den Transport (per Schiff) kann Saatgut leicht aus den Containern kommen, das wird vom Wind überall hin getragen, und so kommt es in die Erde. Wenn es dann erst einmal wächst wird es durch Insekte und Tiere verbreitet. Schlimm an der ganzen Sache ist aber vor allem, dass die Landwirte das meistens gar nicht wissen. Und damit wissen wir, die Konsumenten, das noch viel weniger!

Leider ist das nicht alles – Biopharmazeutika und falsche Wissenschaft
Um die komplette Tragweite zu verstehen, sind diese zwei Bereiche sehr wichtig. Zum einen beruht die komplette GE Industrie auf einer gänzlich falschen Wissenschaft. Zu dem Zeitpunkt, als GE entwickelt wurde, war man in der Biologie der Ansicht, dass ein Gen für eine Funktion steht. So gibt es ein Gen für Wachstum, eines für braune Haare, eines für Fettleibigkeit, oder eines für Schutz vor einer bestimmten Krankheit. So haben die Wissenschaftler in den Insekten die entsprechenden Gene gesucht, in dem sie den vermeintlichen Schutz o.ä. finden konnten, und dieses dann in den Pflanzen verpflanzt. Heute weiß man allerdings, dass teilweise mehrere Gene für eine Funktion, oder aber ein Gen für mehrere Funktionen zuständig ist. Alles hängt mit allem zusammen! Wer ist sich also sicher, dass ein bestimmtes Gen nur z.B. schützt, nicht aber auch in einem anderen Teil etwas zerstört? Nebenwirkungen bei Medikamenten sind längst bekannt, bei GE Produkten nur inoffiziell.
Versuche mit Ratten haben gezeigt, dass GE Nahrungsmittel zu Verkrüppelungen und Krankheiten führt. Auch viele Menschen haben bewiesen (durch unfreiwillige Selbsterfahrung), dass GE Nahrungsmittel schädlich sind (Zum Beispiel EMS Disease).
Warum? Zum Einen wegen der Gene, zum anderen wegen der Biopharmazeutika: Mittlerweile werden Impfstoffe und Medikamente in Pflanzen (Mais) angebaut. Wer sagt, dass dieses Saatgut nicht auch per Wind verbreitet wird?
Und tatsächlich gab es einen Fall in den USA, an dem viele Kinder gestorben sind, weil in ihren Cornflakes tödliche Stoffe gefunden wurden (Cornflakes sind ja direkt aus Mais gemacht…)!

Was passiert mit unseren Nahrungsmitteln?
So wie bei Schmeizer in Kanada, den Feldern in Japan – wird die komplette Landwirtschaft „GE Landwirtschaft“? Wenn die Verbreitung, die Verschmutzung durch GE Saatgut so weiter geht, gehört z.B. der gesamte Mais (herkömmlicher Mais stirbt neben dem gentechnisch veränderten Mais aus) großen Konzernen wie Monsanto. Und die verlangen Geld für ihr Saatgut. (Mittlerweile wollen sie so genanntes „Suizid-Saatgut“ herstellen. Das heißt, nach dem Ernten kann das Saatgut nicht mehr zum erneuten Anpflanzen benutzt werden. So entsteht eine noch größere Abhängigkeit, und die Landwirte müssen das Saatgut erneut von Monsanto teuer kaufen.)
Wer sagt, dass nur Mais und Reis davon betroffen sind? Wie bestimmt Monsanto die Preise? Wie können sich Entwicklungsländer so etwas leisten?

Es betrifft allerdings nicht nur die Nahrungsmittel. Ein Konzern hat Karpfen ein Gen transplantiert, sodass sie 6mal größer werden als die normalen Karpfen. Nun befürchtet man, dass diese gentechnisch veränderten Fische freigelassen werden. Das würde heißen, dass die normalen Karpfen aussterben, denn die Weibchen würden die größeren Karpfen eindeutig bevorzugen, wodurch die normalen Karpfen Männchen keine Überlebenschance hätten. Was hieße das nun, wenn nur noch gentechnisch veränderte Karpfen existieren?
Was bedeutet es, wenn wir diese Karpfen essen?

Gentechnisch verändertes Essen wird an Tiere verfüttert.
Gentechnisch verändertes Essen wird an gentechnisch veränderte Tiere verfüttert.

Und was wird aus uns?

Pflanzen --> Tiere --> Menschen


Patente auf das Leben
Konzerne besitzen mittlerweile Patente auf das Leben. Genauer gesagt, ist es möglich, Patente auf Gene und Pflanzen und Teile von Tieren zu besitzen. So gehört fast der komplette Neem Baum in Indien, der für Jahrhunderte für natürliche Heilungen verwendet wurde, mit 90 Patenten nun einem großen Unternehmen in Amerika. Oder eine bestimmte Froschsorte in Tansania!
Das Gen, das gebraucht wird, um eine Brustkrebsuntersuchung zu erleichtern, gehört ebenso einem amerikanischen Unternehmen. Und das verlangt natürlich Gebühren, wenn irgendjemand dieses Gen für die Untersuchungen benutzt.

Doch Gene, Pflanzen und Tiere – und Menschen – sind natürliche, existentielle Dinge. Wie kann man das patentieren? Patent bedeutet doch normalerweise, dass man etwas erfindet! Was haben diese Unternehmen mit ihren Wissenschaftlern erfunden?

Diese Unternehmen schützen ihre „Produkte“ und Patente. Das heißt, Universitäten und Labors sind nicht in der Lage mit diesem Gen wissenschaftliche Forschungen zu betreiben. So gibt es ein (patentiertes) Gen, das vor AIDS schützt. Allerdings behält sich der Konzern vor, selbst daran zu forschen. (Schließlich möchten sie selbst Geld an ihrem Endprodukt verdienen.)

Wie können Lösungen aussehen?
Es ist immer einfach zu kritisieren und das Schlechte zu sehen. Doch viel schwieriger einfache, praktikable Lösungen zu finden!
Ich persönlich glaube, dass ein sehr großes Potential in den Entwicklungsländern steckt. Denn dort sind Konzerne wie Monsanto noch nicht überall präsent. Wichtig ist, dass Aufklärung stattfindet.
So wie hier, im Ajia Gakuin, Asian Rural Institute (ARI), in dem jährlich knapp 30 lokale Führungspersönlichkeiten aus Entwicklungsländern ausgebildet werden. Hier lernen sie unter Anderem effektive ökologische Landwirtschaft – z.B. Dünger und Herbizide aus organischen Materialien herzustellen. Mittlerweile gibt es über 1000 Menschen, die hier für ein Jahr waren. Und all diese Menschen sind führende Persönlichkeiten in ihren Organisation, Kirchengemeinden und Gemeinschaften. So können sie dieses Wissen sowohl anwenden als auch weitergeben. Hier kann also ein massiver Widerstand gegen Konzerne wie Monsanto aufgebaut werden.
Auch denke ich, dass durch das „Suizid-Saatgut“ sogar Vorteile entstehen könnten. Denn so kann zwar das Saatgut weiterhin verbreitet werden, durch die eingebaute Sperre allerdings ja nicht angepflanzt werden, was heißt, dass es so auch nicht die ökologisch angebauten Gemüsesorten und Pflanzen angreift und ersetzt!
Trotz allem gibt es das Suizid-Saatgut bisher noch nicht, und der Schutz vor Xenotransplantation (Gene von Tieren in Menschen und umgekehrt) und Biopharmazeutika ist auch nicht gewährt!

Ich denke, die einzige Lösung ist das Bewusstsein über diese Themen und der aktive Widerstand (gerade als Landwirt) gegen die Konzerne  ökologische, integrierte Landwirtschaft. Aber auch die Konsumenten (also wir alle) können versuchen beim Einkaufen zu überlegen, woher das Essen kommt (Made in China? Aus Amerika?), oder ob ein Einkauf beim ökologischen Bauern nicht doch ab und zu gut wäre!!!

Dennis Keller

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