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Zivildienst (ADiA) in Japan im Asian Rural Institute (ARI) - Berichte:    ( Nach oben    Übersicht )

Der Besuch des Kaisers

vom 17.09.2006 02:33


Nach einigen Regentagen meint es dieser Morgen gut mit uns, und lässt schon wenn wir in früher Stunde um sechs Uhr die Augen öffnen, einige Sonnenstrahlen durch Büsche und Bäume hinweg ins Zimmer scheinen.
Es sei, als habe sich auch der Tag auf jenen Freitag vorbereitet, alles will und soll glänzen, irgendwie fast unnatürlich wirken. ARI wurde die Tage vorher geputzt und gereinigt, als ob der Japanische Kaiser höchstpersönlich käme. ARI-Gäste durften auf dem Gelände Gras rupfen, Spinnenweben an der Decke entfernen, die Räume wurden umgestellt, alles glänzt. Und wir, die Mitarbeiter, Participants und Freiwilligen, wissen dann eben doch, um was es geht.
„Es sollen sich bitte alle Mitarbeiter, Participants und Freiwilligen nach dem Essen unverzüglich in der Kapelle zu einer Besprechung zusammenfinden“. Wichtig klang es schon. Und dann aber noch wichtiger: „Diesen Freitag“, so der ARI-Direktor sinngemäß, „kommt der Japanische Kaiser mit seiner Frau auf persönlichen Wunsch zu ARI“.

Alles war irgendwie aufgeregt. So langsam füllt sich ARI mit Menschen. Aufgrund des persönlichen Besuches musste es streng geheim gehalten werden, und so wussten die Anwohner und Menschen aus den umliegenden Dörfern nichts vom Besuch.
Nichtsdestoweniger kamen viele Menschen. Es waren aber nur Polizei, Security. Jeden Winkel erkundend waren sie vielleicht eine Stunde vor dem Besuch auf unserem Gelände. Von uns bekam jeder ein Namensschild bzw. „Positions-Schild“ (Freiwilliger), damit uns die Security nicht verscheuchen kann!
Pünktlich, scheinbar auf die Sekunden genau, rollten dann – nachdem sich einige von uns in Reih und Glied, ganz ordentlich, zur Begrüßung aufgestellt hatten – noble Karossen, ganz in schwarz, auf das ARI Gelände. (Der ein paar Minuten später kommende Postmann muss sich gewundert haben…)
Und ganz ohne Limousine, nur mit Polizei und Security Karawane, kamen dann der Kaiser, (der Tenno) und seine Frau. Nach einer Begrüßung (will heißen: alles hat sich ein paar mal verbeugt, und „konnichi wa“ gesagt („Guten Tag“)), gingen die beiden ins nobel gemachte Hauptgebäude um die Participants aus den Entwicklungsländern zu treffen.
Neben Fotografie-Verbot (außer für zwei Hauptfotografen) und Blitz-Verbot für jene Kameras und strengsten Sicherheitsüberwachungen durften nach einigen Minuten die Mitarbeiter und einige Freiwillige sich wieder in Reih und Glied aufstellen, eigentlich nur zur Verabschiedung.
Ganz locker aber kamen Akihito-san (Kaiser) und Michiko-san (Kaiserin) zu uns, und wollten sich mit allen von uns unterhalten. „Nice to meet you“, begrüßte mich die Kaiserin und streckte mir ihre Hand entgegen. So unterhielt ich mich, wenn auch nicht lange, mit dem Kaiser und der Kaiserin. Was ich hier mache, wie lange ich hier sei, was ich über die Arbeit denke, und zuletzt bedankte sich die Kaiserin Michiko für die Arbeit die wir machen.

Dass die kleine Sara (2 Jahre alt), Kind eines Mitarbeiters hier (Steven), dem Tenno Blumen gab, dann aber doch eher an dem großen Grashüpfer am Boden interessiert war, störte die beiden ganz und gar nicht. Die Kaiserin half Sara stattdessen den Grashüpfer auf dem Boden zu suchen.
Ich war sehr von der Herzlichkeit und Nähe des Kaiser-Paares überrascht. Nichts von Überheblichkeit, oder anderen Merkmalen, die ich, glaube ich, sogar oft bei „kleinen“ Politikern in z.B. Deutschland bemerk(t)e.

Der Besuch des Tennos hier bei ARI ist übrigens nicht normal. Zwar besuchte vor sechs Jahren der Prinz ARI, dennoch war dies für alle eine sehr große Überraschung.
Und dennoch: Eigentlich war es nur ein schöner, warmer, sonniger Tag. Die Arbeit ging nach dem Mittagessen weiter wie gewöhnlich. Und heute ist es Sonntag, alles ist normal.

Dennis Keller

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