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Zivildienst (ADiA) in Japan im Asian Rural Institute (ARI) - Berichte:    ( Nach oben    Übersicht )

Bericht 1 - die Vorfreude

vom 12.08.2006 02:24


“Our galaxy itself contains a hundred billion stars,
it's a hundred thousand lightyears side to side.
It bulges in the middle, sixteen thousand lightyears thick,
but out by us it's just three thousand lightyears wide.
We're thirty thousand lightyears from galactic central point,
we go 'round every two hundred million years.
And our galaxy is only one of millions of billions,
in this amazing and expanding universe.”

…so singen die Monthy Pythons in ihrem Film “der Sinn des Lebens”. Da lebt man also in einem Universum – riesengroß, mit Abermillionen von Galaxien und Planeten, doch schon unsere kleine Erde kommt uns so groß vor.
Und in mitten dieses grün-blauen (wenn auch mittlerweile vielleicht eher smog-grauen) Punktes (nämlich auf der Erde) schafft es mein Kopf nicht, zu fassen, was es heißt, von Deutschland nach Japan zu gehen. Nicht, weil es ungewohnt wäre, weit weg zu fahren, oder für eine längere Zeit weg zu sein, es ist nicht, weil etwas Neues auf mich zukommt, sondern es ist etwas anderes. Die Seele, heißt es, geht zu Fuß. Aber der Kopf fliegt, so habe ich das Gefühl, schneller von Ding zu Ding, wie mich das Flugzeug nach Japan tragen wird. Und doch wollen der Kopf und darin meine Gedanken nie so recht ankommen. Sie springen stets hin und her, plagen sich mit diesem oder amüsieren sich über jenes Thema. Greifen allerdings können sie nichts.
Nicht mal das – ein Schritt von etwa zwölftausend Kilometer – kann unser „Supercomputer“ – unser Gehirn – greifen. In einer Welt mit Milliarden von Galaxien! Wie klein wir doch sind…
Ich gehe also weg. In knapp zwei Wochen. Für ein Jahr. In eine andere Kultur. Ein anderes Leben. Andere Arbeit. Wer geht von mir weg; oder eher, wann komme ich ganz, als Person, überhaupt an?
Wenn schon der Körper seine Zeit braucht, bis er sich an die neue Umgebung angepasst hat (Jetlag), in welcher Gegend der Welt schlendert dann noch meine Seele umher? Gerne wäre ich mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Japan gefahren. Eine langsame Einstimmung, natürlich auch tolle Gegenden… Das hat jedoch leider nicht geklappt.

Die zwei letzten „freien“ Monate gingen sehr schnell vorüber. Die Schule war vorbei, das Abi geschafft, was natürlich Feiern und Verabschieden bedeutete. Auf der anderen Seite gab es noch die Vorbereitungen für Japan. Einmal das zweite Vorbereitungsseminar in Kassel, in dem wir uns wieder einmal seelisch, geistig und formell auf unseren Auslandsdienst vorbereiten sollten. Formell bedeutet ganz bürokratisch alle klitzekleinen bürokratischen Spielchen kennen zu lernen, auszutesten, soweit wie es geht zur eigenen Bequemlichkeit zu verbiegen, und in diesem Prozess zu bemerken, dass es ja doch noch viel mehr Dinge gibt, die man beachten sollte, jedoch vieles nur durch Nachfragen erläutert bekommt.
Das ist ein wenig wie beim Parzival, der halt „verdammt“ wird, weil er die wichtige Frage nicht stellt. Das Dumme ist nur, wir wissen oft gar nicht, was wir fragen sollen, sondern merken das dann erst relativ spät. Soviel zur zeitgenauen, entspannten Planung, die schließlich ein paar Wochen vor Abflug eine intensive Phase erfährt, sodass man intensiv wohl neu definieren könnte. Und so geht es, dass man innerhalb einiger Wochen einige Tausende Euro zusammen haben muss, einige Hunderte Pflichten zu erledigen hat, viele Briefe zu verfassen, zu versenden und (auch viele Ideen) zu verwerfen, etliche Treffen mit Freunden, Bekannten und Verwandten arrangiert und noch so ein paar andere Dinge zutun hat, so dass man sich dann eben 10 Tage vor Abflug doch wundert: Was wurde eigentlich aus den zwei freien Monaten?
Soviel zum Versuch, die Relativität der Zeit zu erklären.

Doch irgendwo erinnert mich das wieder an die Größe unserer Welt, wenn ich all diese Zahlen zusammen nehme, addiere oder multipliziere, egal, denn irgendwie kommt doch immer etwa das raus, was in etwa dem Aufwand entspricht, der diesem nun kommenden Jahr vorausging.
Letztendlich war das aber natürlich nicht nur ein Aufwand, den ich aufbringen musste, sondern der manchmal auch ganz dezent mit ein paar Schubkarren zu anderen Personen geschoben wurde, und dort dann oft sehr konsequent, vertrauensvoll, freundlich und offen erledigt wurde.
Sei es das ledigliche Zuhören, dass Spenden benötigt werden, sei es selbst Geld aufzuwenden, um diesem Projekt etwas Gutes zu tun und es überhaupt auch zu ermöglichen (an dieser Stelle einen ganz großen Dank an alle meine Unterstützer!), sei es das „Screenen“ von den Bewerbungen, das Veranstalten von Seminaren, das Mitleiden und –Freuen von Familie und Freunden, … Danke.
Zuviel des Guten bringt irgendein Gleichgewicht aus der Waage, und so möchte ich die Gegenseite nicht vergessen. Mindestens zwanzig Bewerbungen, die nie beantwortet wurden, etliche Briefe, zu denen nie eine Rückmeldung verfasst wurde, aber auch Menschen, von denen man einen falschen Eindruck hatte. Das ist zwar alles irgendwo schade, doch steht es glücklicherweise in keiner Relation zu der anderen Seite.

Voller Erwartung freue ich mich auf den 24. August, der mir zunächst einmal einen etwa dreizehnstündigen Flug bieten kann, dann jedoch das Neue. Ich freue mich darauf, mich selbst weiter und anders kennen zu lernen und zu erfahren, auch und vor allem die vielen anderen Menschen aus den ganzen verschiedenen Kulturen – das wird eben nicht nur die aus Japan sein, sondern auch die Kulturen aus Indien, Philippinen, Tansania oder Haiti, um nur ein paar zu nennen.


Viele Grüße, bisher noch aus Deutschland,

Dennis Keller

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