Liebe Interessierte. Hier nun Teil 1 meines 9. Berichtes.
Es geht um Religion in ARI, Technologie in Japan, die Beziehung zur Natur, und meiner Arbeit in ARI.
In diesem Land von Areligiosität und dem immer präsenten Shinto und Bukkyo (japanischer Buddhismus) gibt es ein kleines Institut, auf einem Hügel umgeben von Wald, in einer kleinen japanischen Stadt in der (laut Fernsehen) unbeliebtesten Präfektur Japans: Das Asian Rural Institute (ARI). Christlich in Inspiration, doch ökumenisch in Praxis, sagt die Theorie und ein Teil der Beschreibung des Trainingprogramms und des Institutes.
Es ist Zeit für meinen neuen Bericht über meine Arbeit und Erlebnisse in ARI und Japan. Ich möchte diesmal zunächst ein wenig über das religiöse Leben in ARI schreiben.
ARI und (Multi-)Religiösität?
Bevor ich zu ARI kam war mir in diesem Ausmaß nicht bewusst, dass ARI christlich ist. Ich konnte die Sätze lesen, dass ARI christliche Wurzeln hat, aus einer christlichen Vergangenheit heraus gegründet wurde, doch heute - so besagt die Theorie weiter - ökumenisch und offen für alle Religionen und Glaubensrichtungen (inklusive des Atheismus) sei. Weiter sei es ein Platz um spirituell zu wachsen, zu reflektieren und sich besinnen zu können.
Das interessierte mich, als ein de-fakto nicht-Christ, allerdings kein Anti-Christ, und doch nicht abgeneigt an Religion an sich, mit großem Interesse an dem ursprünglichen Christentum, Buddhismus, Islam, etc.
Doch wenn man in ARI ankommt, fällt einem zunächst das religiöse Leben auf! Es ist, mit einer enormen Mehrheit an aktiven Christen, sehr aktiv und ritualisiert. Um verstehen zu können was aktive Christen sind, sollte man nicht an die Christen denken, die wir in Deutschland kennen. "Moslems", so meinte einmal ein deutscher Kabarettist, "das sind Menschen die ihre Religion Ernst nehmen. Undenkbar für Christen!"
Undenkbar für Christen in Deutschland, oder Westeuropa. Zumindest in diesem Ausmaß. Das Christentum als institutionelle Religion ist in gerade Deutschland um einiges älter als in den Regionen die hier etwa in ARI vertreten sind. Das japanische Christentum, das afrikanische, das pazifische - sie alle sind noch frisch, gerade erst vor wenigen Jahren von aktiven, begeisterten, hoch motivierten und immer-bereit-zum-Sterben Missionaren in die Länder gebracht, und überzeugt missioniert. Somit ist das Christentum, verbunden mit der Tatsache dass die Kirche eine unzählbare Menge an Entwicklungsprojekten leitet, an Infrastruktur durchführt (die manchmal die einzige ist, und ohne Kirche nichtpräsent wäre), und an Geldern zur Verfügung stellt; all das zusammen führt zu der Tatsache dass die Kirche, das Christentum, eine sehr andere Position im Leben der Menschen einnimmt.
Während in Deutschland, dem Land der Logik und Wissenschaften, die Theologie "verlogikt" wurde (als pure Wissenschaft), ist sie in vielen anderen Ländern (immer noch) das simple Lernen/Glauben und Verstehen Lernen der Bibel.
Eine kritische Haltung der Bibel gegenüber ist meistens undenkbar, das Wort Gottes solle man nicht hinterfragen. Und die Bibel ist schließlich das Buch der Bücher - welche Übersetzung auch immer.
Mit solch einem Eifer und fast zu überschwänglicher Motivation sind viele Menschen hier Christen, glauben daran, dass nur Menschen die echte Christen sind (somit regelmäßig zur Kirche gehen) in ihrem Leben glücklich werden können, und dass mehrmaliges Beten am Tag, und das jeweilige integrierte Flehen um Besserung und das Erhören der Armen, usw. eines der wichtigsten Aktivitäten sind.
Dieses überschwängliche und frische Christentum ist es auch, dass Leute in z.B. Ghana den ganzen Tag nur beten lassen, anstatt zu Arbeiten und wirklich zu helfen. Die Verantwortung wird von der eigenen Person weg geschoben, und Gott "angeboten". "Gott, hilf mir! Ich kann das nicht! Gott, erlöse mich, ich will nicht…"
Nun ist es nicht so dass in ARI manche Menschen anstatt Arbeiten nur Beten. Doch es ist dieses man kann sagen Lebensgefühl, das hier rumort.
Im März hatte ich wieder einmal die Möglichkeit in der Morgenversammlung (Morning Gathering) über etwas zu erzählen, was mich interessiert, etc. Das war die Zeit, als die Participants noch nicht da waren, und ich im Winter verstärkt das aktive Christentum miterleben durfte. Somit nahm ich diese Zeit um über Religion in ARI zu sprechen. Ich möchte dieses "Sharing" hier auszugsweise übersetzen.
Ist es Religion das diesen großen Teil im Leben von ARI spielt? Oder ist es das Christentum? Ist Christentum Religion, oder gibt es einen Unterschied? Was ist Christentum?
[…] ARI wurzelt auf dem Christentum und in diesem Sinne spielt es eine wichtige Rolle heutzutage. Die ARI Mitglieder beten vor jedem Essen, vor und nach jedem einzelnen Meeting und im Allgemeinen sehr häufig. In diesem Sinne können Menschen hier die nicht christlich sind, einen Teil des Christentums hier kennen lernen. Sie sind gezwungen, die täglichen Gebete auszuhalten, christliche Lieder zu singen und in einer sehr christlichen Welt zu leben. […] Ich bin überzeugt davon, dass es mehrere Wege gibt, um Gott zu erleben. Und der Weg, wie ihn Jesus beschrieb, ist einer davon. Jedoch: Viele viele Jahre nachdem Jesus geboren und gestorben war, sind viele Dinge entstanden: Lieder, Rituale, Gebete, Übersetzungen und Interpretationen, Regeln, usw.: Das Christentum als institutionelle Religion war geboren!
Ich bin nun in ARI für etwa 7 Monate (März). Bevor ich zu ARI kam konnte ich lesen dass man in ARI spirituell wachsen kann. Und somit freute ich mich auf diese Erfahrung. Spiritualität ist wichtig in meinem Leben. Und ich hörte von einer verschiedenartigen Gemeinschaft, nicht nur bezogen auf all die Länder, sondern auch auf die Religionen. Stattdessen habe ich nichts über diese christliche Welt gehört, die ich nun in ARI vorgefunden habe. Ich hörte nichts über viele tägliche Gebete und Menschen die denken, dass man nur durch das Christentum glücklich in dieser Welt werden könne.
Als die letzten Participants (2006) hier waren habe ich oft mit Veasna über die so genannte "religious diversity" gesprochen. Veasna war ein buddhistischer Participant aus Cambodia. Er war oft sehr ruhig und zurückgezogen, in sich selbst gekehrt. Er mochte es nicht zu viele Fragen zu stellen, denn es war wichtig für ihn, die Situation so aufrecht zu erhalten, dass sich jeder wohl fühlen kann. Er mochte es nicht zu sprechen, doch manchmal haben wir uns über einiges unterhalten. Veasna war mein Zimmernachbar und somit hatte ich die einzigartige Chance, mit ihm Gedanken und Ideen zu teilen. Und wahrscheinlich war Veasna die Person, von der ich am meisten gelernt hatte - jetzt, wo ich auf 2006 zurück schaue.
Wie ich erwähnte ist Veasna ein Buddhist. Und da 90 oder mehr Prozent aller ARI Graduates und Participants Christen sind, war er in einer Minderheit. […] Ich habe mich oft sehr verbunden mit Veasna gefühlt, trotz des komplett unterschiedlichen Hintergrunds, einer sehr anderen Kultur, usw.
Er fühlte sich sehr unwohl in ARI. Zumindest, wenn es um Religion ging. Und für ihn war es wichtig, ein Buddhist zu sein. Es ist seine Kultur, sein Lebensstil, Teil seines Lebens. Gerade so, was für viele von euch das Christentum darstellt!
Veasna fühlte sich unwohl, da er gezwungen war christliche Hymnen zu singen und bei christlichen Gebeten teilzunehmen (immer und sehr oft). Es ist nicht, dass er das Christentum oder andere Religionen nicht respektierte - das tat er in meinem Verständnis sehr wohl. Aber es war sein Gefühl, als ein Nicht-Christ, das Gefühl dass ich selbst als Nicht-Christ auch erlebe. Es ist das Gefühl, dass viele Leute hier versuchen andere Menschen zum Christentum zu konvertieren. Das Gefühl, dass man nur durch Jesus in "Gottes Königreich" eintreten könnte.
Und ich fühle mich sehr unwohl wenn es um all das geht. Ich nehme war dass manche Menschen hier in ARI andere Religionen nicht auf demselben Level behandeln, wie sie das mit dem Christentum tun.
Manche unter ihnen, und das ist was Veasna fühlte, und ich ebenso, manche unter ihnen mögen denken dass andere Religionen in Ordnung sind. Aber dennoch: Das Christentum ist der einzige, echte Weg. Und das, das ist Diskriminierung.
Ich weiß dass ARI auf dem Christentum basiert. Und ich schätze das. Ich glaube an das was Jesus sagte, an diesen ursprünglichen Weg. Aber ich fühle mich unwohl, da ich kein wirklicher Christ bin. Und ich fühle mich unwohl wenn ich all die anderen (wenigen) Nicht-Christen hier wahrnehme. Aber vor allem bin ich besorgt wenn ich über unsere neuen Participants nachdenke.
Wir werden nur drei Participants haben, die keine Christen sind. Ein Moslem aus Tansania und zwei Buddhisten aus Laos bzw. Sri Lanka. Und auf der anderen Seite werden wir 23 Christen haben. Plus all die ARI Menschen die zu 99% Christen sind. Ich bin davon überzeugt, dass diese nichtchristlichen Participants sehr sehr stark sein müssen, um hier in ARI glücklich und zufrieden überleben zu können.
Es ist wirklich bemerkenswert wie wir es schaffen Christen aus Ländern wie Indonesien oder Nepal zu bekommen! Natürlich ist das interessant - von Ländern, in denen die große Mehrheit, fast alle Menschen, eine andere Religion haben. Ich denke jedoch dass wir neue Beziehungen aufbauen sollten - mit Organisationen die nicht christlich sind! In einem Land wie Nepal muss es so schwierig für einen Christ zu sein, eine größere Gemeinschaft als nur seine eigene (christliche) zu erreichen.
Wie können indonesische Christen die Muslime in ihrem Land überzeugen, wenn sie der Überzeugung sind, dass man nur durch das Christentum ein guter Mensch sein kann?
Dieser Platz hier sollte zeigen wie wir - die Menschen in ARI - zusammen leben können, mit einer großen Mannigfaltigkeit/Vielfältigkeit (diversity). Und diese Vielfältigkeit sollte nicht nur auf das Land bezogen sein, sondern auch auf die Religion. Und in meiner Meinung versagt ARI wenn es darum geht, dass verschiedene Religionen in Koexistenz und auf einer gleichen Ebene miteinander zusammen leben.
Und ich konnte ähnliche Eindrücke und Meinungen von anderen Leuten hier in ARI hören, die ebenso nicht christlich sind, so wie Veasna. […]
Re-ligio bedeutet so etwas wie "wieder verbinden". Sich mit Gott verbinden. Ich glaube, wir sollten versuchen diese Verbindung zu finden. Alle Menschen die nach dieser Bindung suchen, sollten es versuchen. Aber niemand sollte gezwungen werden. Vor allem nicht in dem Weg den jeder individuell einschlägt. Und einer dieser Wege ist das Christentum. Aber es gibt doch so viele mehr Wege!
Das ist das Ende meines "Sharings". Und hier würde ich gerne Veasna danken. Manchmal wünschte ich, er hätte mehr seiner Gefühle und Eindrücke mit dieser Gemeinschaft geteilt. Vielleicht fühle ich dasselbe für mich. Aber ich bin, ich könnte fast sagen ein bisschen verängstigt, hier etwas zu kritisieren. Ich fühle mich sehr unwohl.
Nach diesem Sharing kamen sehr viele der ARI Mitglieder zu mir und meinten, sie seien berührt, stimmten mir zu, oder meinten, es hätte sie bewegt. Und was änderte sich? Jetzt, Anfang Juli, nach einigen Monaten mit den neuen Participants… Nichts.
Auch das ist ARI. Ich muss jedoch sagen, dieses Gefühl von Unwohlsein ist wesentlich stärker im Winter, ohne den Participants. Und doch wünsche ich mir, dass die religiöse Vielfältigkeit hier irgendwann "real" sein kann.
Zurück zu Japan - das Land der Farmer und Technologie
Japan ist seltsam. Einerseits ein Land der Farmer, mit Reisfeldern überall… Ein Land, in dem so gut wie kein Haushalt Geschirrspülmaschinen hat (was bei uns ja so normal scheint!), in dem es keine Zentralheizung gibt, von Isolierung ganz zu schweigen… Und auf der anderen Seite ein Land von hochtechnologisiertem, Entschuldigung für das Wort, Bullshit.

Das hier zum Beispiel ist ein Getränke Automat, wie man ihn in Japan an fast jeder Ecke finden kann. Ja, natürlich auch auf dem Dorf und in abgelegenen Regionen (wie etwa auf dem Gipfel von Bergen, neben Reisfeldern, etc.).
Das Tolle an diesen Automaten ist, dass man immer frische Getränke bekommen kann. Manchmal kann man, wie in diesem Fall, auch einfach nur davor stehen und Fernsehen schauen. Man kann, wahlweise mit Geld oder mit seinem Handy bezahlen. Nun kommt aber das wirklich Tolle: Es gibt diese Automaten auch für andere Dinge: Natürlich einmal Zigaretten. Dann aber auch heiße Getränke, Gemüse, Eier, oder Alkohol!
Das hat den interessanten Vorzug, dass nun auch jüngere Menschen in den Genuss von Alkohol und Tabak kommen können (in Japan muss man 20 sein um trinken und rauchen zu dürfen). Genug der Ironie.
Ach, diese Maschinen reden übrigens auch. Manchmal auch in mehreren Sprachen. Apropos Fernsehen. Dieses findet man auch überall. Sei es in diesem Automaten, oder im Supermarkt irgendwo zwischen den Regalen wo Früchte gestapelt ist, oder sei es - natürlich - im Auto. Nicht aber hinten, sondern vorne in der Mitte zwischen Fahrer und Beifahrer. Und dann wird, schön während des Fahrens, Fernsehen geschaut. Man kann mit seinem Handy fernsehen, mit seiner Playstation oder sich einen kleinen tragbaren Fernseher kaufen, mit dem man dann (mit Kopfhörer) z.B. auch im Zug fernsehen schauen kann (oder auch DVDs, also Filme).
Japan ist auf eine Art durchtechnologisiert, und wenn man bedenkt, dass das innerhalb von wenigen Jahren entstanden ist, ist das wirklich unglaublich! Als wir in Deutschland schon Autos hatten, war Japan noch ein traditionelles, kulturreiches Farmerland! Ohne jegliche Technologie. Und das, so finde ich, erklärt dann auch, wieso die Japaner in ihrem "normalen alltäglichen" Leben immer noch nicht viel Technologie haben (so wie Spülmaschinen). Eine Japanerin hat mir das so erklärt: Technologie in Japan ist für die Unterhaltung, nicht aber für das Leben. Die Japaner sind Arbeiter, harte, harte, harte Arbeiter. Und darauf sind die stolz. Und irgendwie herrscht unter vielen eben dieses Bild von Technologie = Unterhaltung. Warum also Zentralheizung oder Spülmaschine?
…Und auf der anderen Seite geht man dann auf Toilette, die natürlich "Hightech" ist, mit vorgewärmten Toilettendeckel, und unglaublichen, unendlichen Funktionen von Spülungen und was-weiß-ich-nicht-was. Das braucht doch kein Mensch.
Genau! Darum geht es. Unterhaltung ist etwas, was niemand braucht. Aber was Spaß macht, was unterhält. Und darin sind die Japaner einsame spitze. Ungeschlagen, in der Tat.
Es gibt noch einiges mehr, was man über Japan und seine Technologie berichten könnte. So etwas wie Kameras in Ampeln, die man übers Internet anschauen kann, die Handy Funktionen mit denen man nicht nur einkaufen kann, im Internet surfen kann, Fernsehen kann, sondern natürlich auch per Satellit anzeigen lassen kann, wo man sich gerade befindet.
Und das ist nur der Vordergrund: Das was man als "normaler" Mensch mitbekommt. Was geschieht mehr im Verborgenen? Wie sieht es mit Privatsphäre, Überwachung (in jedem Zug und Bus und Platz Kameras), so genannter Sicherheit aus? Wie sieht es aus mit all dieser Technologie? Und wie fühlt man sich als Individuum inmitten dieses unüberschaubaren, digitalisierten Wirrwarrs?
In dieser technologisierten Welt, in dem Kinder sich umbringen, weil sie aus einer Internet-Gemeinschaft ausgeschlossen wurden… In dieser Welt, wo Kommunikation über den Computer beschränkt ist, und soziale, reale, menschennahe Kommunikation verschwunden ist? Japan ist vielfältig. Und in einiger Hinsicht das Zukunftsbild von einigen Ländern in Europa, und sonst wo. Es gibt halt doch auch bei uns viel zu tun!
Ausstellung in Tokyo
Nun ist dies ja mein Mai-Bericht, und so möchte ich wieder einmal etwas berichten, was auch wirklich im Mai geschehen ist. Zum Beispiel waren wir wieder einmal in Tokyo. Nun ist das wirklich nichts mehr besonderes, jedoch haben wir diesmal eine interessante Ausstellung besucht, die nun wirklich nicht Japan-bezogen ist, ich aber trotz allem darüber schreiben möchte.
Die Ausstellung nannte sich "Ashes and Snow" und der Eintritt war relativ teuer. Dort waren großformatige Photos. Auf den Photos ging es immer um die Beziehung Mensch und Tier, bzw. Natur an sich. Dabei sollte auf eine poetische Weise die Beziehung zur Natur und die damit verbundene Schönheit vermittelt werden.
Nun habe ich hier fast ein Jahr in ARI in der direkten Natur gelebt und gearbeitet, und ich liebe die Verbindung mit der Natur und die darin enthaltene Schönheit. Somit freute ich mich auf die Ausstellung, und den Versuch, das ganze poetisch wirken zu lassen.
Die Bilder waren aber so stilisiert, erotisiert, übertrieben und sentimental, dass ich nicht umhin kam, über die Verbindung von Mensch und Natur nachzudenken.
Der Photograph ist Amerikaner, kommt also aus einer Industrienation, einem reichen Land. Ohne viel zu denken kam mir in den Sinn, wie fremd eigentlich Natur für viele Menschen mittlerweile geworden ist. Vor allem für all die Kinder, die in Großstädten aufwachsen. Die keine Erde berühren, nicht wissen, was echte Natur ist.
So viele von diesen Menschen kommen hier zu ARI - japanische Besucher, die über ihre Uni hier für wenige Tage herkommen. Für viele ist es das erste Mal, Erde zu berühren.
Und durch diese Ausstellung wurde mir wieder bewusst: Diese Verbindung zur Erde, zur Natur ist immer noch das was viele Menschen suchen. Ich glaube, jeder. Denn das ist unsere Wurzel, unsere Natur. Natur ist unsere Natur - das ist nur logisch.
Doch es ist ein kläglicher Versuch, wie diese Ausstellung, die künstlich versucht, diese Beziehung wieder aufzubauen. Es braucht eine Dramatisierung, eine Erotisierung, künstliche Bearbeitung um Menschen die Schönheit der Natur und die Wichtigkeit dieser Beziehung zeigen zu wollen. Wie traurig.
Admissions - meine Arbeit geht dem Ende entgegen
In den letzten zwei Monaten (Mai und Juni) hat sich meine Arbeit sehr geändert. Während ich weiterhin neue Bewerbungen und Anfragen von Organisationen aus aller Welt (d.h. vor allem Afrika, Asien und Ozeanien) bearbeite, habe ich nun ein eigenständiges Projekt.
Nachdem ich die meiste Zeit für Admissions arbeitete meinte Michi nun, ich solle etwas machen, was mir Spaß macht und was mich interessiert.
Letztes Jahr hatte Joschka, mein Vorgänger in Admissions, angefangen neue Organisation in neuen Regionen zu suchen, um von dort Bewerber für das ARI Training zu erhalten. Diese Arbeit wollte ich fortsetzen. Während Joschka vor allem Beziehungen nach Nicaragua in Mittelamerika aufbaute, wollte ich meinen Schwerpunkt auf den Mittleren Osten setzen. Das hat mehrere Gründe: Einmal gibt es dort ebenso Entwicklungsländer wie in Asien und Afrika, und zum anderen, wie ich bereits vorher erwähnte, würde ich gerne die religiöse und kulturelle Vielfältigkeit in ARI erweitern. Mit Bewerben aus dem mittleren Osten wäre das perfekt (in der Theorie jedenfalls).
Also habe ich mich dran gesetzt, seit Anfang Mai, um jegliche Kontakte die ich habe auszunutzen, um Kontakt mit NGOs (Nichtregierungsorganisationen) und Famer Cooperatives (Farmer-Genossenschaften) aufzubauen. Diesen senden wir dann einen offiziellen Brief von ARI, inklusive Broschüren, in dem wir ARI und das Training Programm erklären, und darauf hinweisen, dass wir - falls die Organisation Interesse hat und gemäß den ARI Richtlinien passt - Bewerber "suchen".
Bisher habe ich Briefe nach Marokko, Ägypten und in die Türkei gesendet. Einige Organisationen sind bekannt, wie etwa die Sekem Farm (gerade den Anthroposophen dürfte Sekem ein Begriff sein) und die Biodynamische Farmerbewegung in Ägypten, andere sind relativ kleine, unbekannte, lokale NGOs oder Farmer-Genossenschaften, die sich um ländliche Entwicklung sorgen.
Insgesamt hoffe ich dass diese Organisationen Interesse an ARI entwickeln, und uns detaillierte und hilfreiche Informationen schicken, sodass wir deren Arbeit mehr und besser verstehen. Wenn dieser Schritt erreicht ist, sind diese Organisationen Teil der normalen ARI Admissions Prozedur - wir senden Fragen an die Organisation, die sie beantworten. Dann "screenen" wir alle Infos der Organisation die wir haben, und akzeptieren oder lehnen ab. Im Falle der Akzeptanz senden wir ein Bewerbungsformular, das wir dann hoffentlich innerhalb des Zeitrahmens wieder zurückerhalten und somit einen Bewerber für das nächstjährige Trainingprogramm haben.
Während dieses Projekt sehr spannend ist, bleibt auch die restliche Arbeit weiterhin spannend. Wir haben mittlerweile schon einige Bewerbungen, und zum ersten Mal einige aus der Pazifikregion zur selben Zeit: 2 aus Papua Neu Guinea, 1 wiederum von den Salomonen (Solomon Islands) sowie 1 aus Kiribati (sprich: Kiribas).
Und, was uns immer wieder erstaunt, wir erhalten mehr und mehr Bewerbungen aus Kamerun. Während in den letzten Jahren vor allem Indien und die Philippinen führend waren (was die Anzahl der Bewerbungen betrifft), ist es nun Kamerun in Afrika.
Jetzt, da sowohl Mai als auch Juni schon vorbei sind, muss ich aber auch so langsam mit meiner Arbeit abschließen. Ich muss meine Dokumente sortieren, meine Arbeit "klären", klar machen, dass sowohl Michi komplett versteht was ich mache und dann eben auch Jan, mein Nachfolger in Admissions.
Dennis Keller
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