Danke für das Interesse an meinen Berichten und an ARI.
1 - Interesse an ARI
2 - Neues aus Admissions und die neue ARI Website
3 - Ein paar Tage am Flughafen - Participants abholen
5 - Es ist April und der Frühling ist da!
6 - Neuigkeiten aus Uganda
6 - Schafft Wissen Verantwortung?
Interesse an ARI
Wird die Welt letztlich doch auf ARI aufmerksam? Oder aber immerhin Japan? Ich glaube, das braucht noch seine Zeit. Auf alle Fälle aber kommt ARI im Japanischen Fernsehen. In den letzten Tagen hatten wir zwei TV Teams hier in ARI. Eine Produktion kommt ab sofort regelmäßig zu ARI (ich glaube bis zum Sommer), um eine große Dokumentation über ARI zu produzieren, in der auch vor allem über den Lernprozess der Participants berichtet wird.
Die andere Produktion konzentriert sich mehr auf eine spezielle Person. Nachdem Fushimi-san schon in der Zeitung war, wird es nun bald das Fernsehen sein. Fushimi-san ist pensioniert und kommt fünf Tage in der Woche zu ARI, um hier freiwillig zu helfen und zu arbeiten. Er wohnt etwa eine halbe Stunde weg von hier. Da ich während ich die Participants am Flughafen abholte, bei Fushimi-san übernachtet hatte (er hat in der Nähe des Flughafens ein zweites Haus), hatte er mich anschließend zu sich nach Hause eingeladen. Er plante ein bisschen zu grillen, Malte und Michi waren ebenfalls eingeladen, und auch meine Freundin Mayumi. Anschließend sollten wir dann zum Onsen gehen (heiße Quelle). Der "Haken" an der Sache war: Wir sind ständig begleitet vom japanischen Fernsehen. Und so war es dann auch, dass wir nicht nur beim Essen ständig gefilmt wurden, sondern dass wir dann auch im Onsen (in dem man ja traditionell nackt badet) von der Kamera begleitet wurden.
Später in ARI wurden dann Malte und ich noch einmal von der Kamera interviewt, wir sollten sagen, was Fushimi-san für uns ist, was wir von ihm halten und unsere Arbeit hier in ARI erläutern. Diese TV Produktion produziert eine wöchentliche Dokumentation über Rentner, die "nicht ganz normal sind". Sprich: Die etwas Außergewöhnliches machen.
Dass Fushimi-san dabei der Kamera nicht so viel über sein Leben erzählte, sondern immer nur über ARI, kommentierte er so zu uns: "Ich möchte, dass so viele Menschen wie möglich ARI etwas spenden. Japan muss ARI unterstützen!" Also selbst diese Sendung, die eigentlich ihm gewidmet ist, widmete er voll und ganz dem Asian Rural Institute.
Während diese Sendung schon im Mai (5.5.2007) im Fernsehen zu sehen ist (ein halbstündige Dokumentation), wird die andere allgemeine Sendung über ARI, wohl erst im Spätsommer im japanischen Nationalfernsehen ausgestrahlt werden.
Mich hat es während den "Dreharbeiten" immer ein wenig gewundert, wie viel Aufwand in diese Produktion gesteckt wurde/wird. So wurde z.B. beim Grillen, nur für ein paar Minuten, ein großer Laster gemietet, der einen Kran hatte, sodass die Kamera auch alles von oben aufnehmen kann. Na ja so ist das wohl im Fernsehen.
Neues aus Admissions - und die neue ARI Website
Das Jahr 2007 ist vorbei. Jedenfalls für uns in Admissions, denn Anfang April sind alle Participants für das Training Programm 2007 endlich angekommen. Und schon seit Februar bereiten wir uns ja für das Jahr 2008 vor, auch wenn ich das in ARI gar nicht mehr erleben werde. Nachdem ich Anfang April viele der Participants am Flughafen abholen konnte (dazu gleich), habe ich mich den Rest des Aprils auf eine andere Arbeit konzentriert.
Schon seit langem ja ist die neue Website des ARI in Planung und in Bearbeitung. Dank der vielen anderen Arbeit allerdings (also meiner Hauptarbeit mit den Participants, Bewerbungen und Organisationen rund um die Welt), konnte ich nur selten wirklich intensiv an der neuen Website arbeiten. Nun ist der April der bei weitem ruhigste Monat des "Admission-Jahres", so dass ich diesen Monat nutzen konnte, um die Website soweit zu vervollständigen und zu veröffentlichen.
Wie ich ja in einem vorigen Bericht schon einmal erwähnte, hatte ich die Leitung für die neue Website, und etwa 10 andere Leute in meinem Team, die sich entweder auch mit Computer bzw. Programmierung/Design auskannten oder die jeweiligen Sektionen vertraten (Presseabteilung, Admissions, Fundraising). Nach harter Arbeit konnte ich dann die fast-fertige Website dieser Gruppe präsentieren. Neben einigen wenigen Fragen und Diskussionen von Kleinigkeiten waren alle rundum begeistert, vor allem auch was die Benutzerfreundlichkeit für die weitere Administration der Website betraf. Denn wenn ich nicht mehr in ARI bin, sollte die Website ja trotz allem noch weiterhin aktualisiert werden - und zwar vor Ort, und nicht von mir. Einer der Mitarbeiter meinte auch, ich solle unbedingt auf der Website erwähnen, dass dies eine "Spende" war, denn ansonsten wundern sich viele der Menschen und Unterstützer sicherlich, wieso ARI so viel Geld für solch eine Website ausgebe. Für mich bedeutet dass großes Lob, und das freut mich natürlich sehr.
Anfang Mai werde ich eine Präsentation für die gesamte Gemeinschaft hier haben. Dann wird die Website schon veröffentlicht sein. An alle, die Interesse haben, Anfang Mai die englische Version der Website anzuschauen: www.ari-edu.org
Neben all der Website Arbeit fällt aber doch auch immer ein bisschen Arbeit für Admissions an. So müssen wir nun vielen Organisationen weitere Informationen über unser Training Programm senden, müssen deren Informationen genauestens lesen, weitere Fragen stellen, und dann entsprechend den geeigneten Organisationen Bewerbungen für eventuelle Participants (bzw. Kandidaten) schicken, oder entsprechend eine Ablehnung. Eine Ablehnung senden wir dann, wenn die Organisation nicht mit der Natur des ARI Trainings übereinstimmt bzw. nicht zu unseren Ideen passt. Eine Organisation, die Kindern, die keine Schulbildung haben, hilft, ist sicherlich gut und wird ohne Frage benötigt. Sie passt aber nicht zu unserem Training Programm, und wenn diese Organisation eine Person zu ARI senden würde, so wäre dies sicherlich nicht effektiv. In diesem Sinne ist es ebenfalls sinnlos, Bewerbungsformulare an Organisation zu senden, die relativ neu sind. Es muss sichergestellt sein, dass die Organisation stabil ist, nicht nur finanziell. Die Participants müssen einen sicheren Platz in ihrer Organisation haben, auch nach den neun Monaten Training in Japan.
In diesem Sinne ist es nicht einfach für eine Organisation, und dann später für die individuellen Bewerber, für ARI akzeptiert zu werden. Aber um sich über die Dimensionen klar zu werden: Wir haben mittlerweile etwa 1400 Organisationen in unserer Datenbank. Einige davon fragen uns nur nach Geld und Unterstützung, viele müssen wir ablehnen. Fast täglich bekommen wir neue Anfragen von oft neuen Organisationen. Ein beachtenswert großer Anteil davon kommt aus Bangladesch. Hier haben wir schon eine schwarze Liste von Organisationen, die leider gar nicht existieren, aber an vielen Stellen nach finanzieller Unterstützung fragen, so etwa auch bei ARI.
Da mittlerweile ein Großteil der Kommunikation nicht mehr über Post, Fax oder Telefon abläuft, sondern über Email, hat man den Anschein, dass viele der Organisationen, Menschen und ländliche Regionen nun über ausreichend Internetzugang verfügt. Doch der Schein trügt, und dabei möchte ich Eric, diesjähriger Teilnehmer aus Kamerun, zitieren.
"Wenn ich eine Email senden möchte, schreibe ich den Text auf Papier, gebe ihn einem Freund zusammen mit den Zugangsdaten für meine Email-Adresse. Mein Freund reist dann in die nächste größere Stadt. Das dauert je nachdem zwei bis drei Tage. Ich muss dann zum nächsten Postbüro um dort meinen Freund in der Stadt anrufen zu können. Dieser sitzt dann in einem Internet-Cafe (vorausgesetzt, Strom und eine Internet-Verbindung sind verfügbar), und liest mir die Emails vor, die ich empfangen habe. Also z.B. deine Emails von ARI. Dann setze ich mich wieder hin und schreibe die Antwort auf Papier oder erzähle sie meinem Freund am Telefon, falls ich direkt antworten kann."
Daran können wir gut sehen, dass wir immer noch sehr "sparsam" mit unseren Emails umgehen sollten. Also wenn ich innerhalb von zwei, drei Tagen mehrere Emails an einen Participant sende, kann das sehr viel Umstand für viele Leute dort bedeuten. Und höchstwahrscheinlich leidet die Verständlichkeit auch sehr darunter. In diesem Sinne wundere ich mich nun nicht mehr, dass wir manchmal nur dann Emails erhalten, wenn es schlechte Neuigkeiten gibt.
Nun ist es Ende April und die ersten vier Bewerbungen für das Training Programm 2008 sind schon hier. Eine Bewerbung aus Myanmar, eine aus Indien, sowie zwei aus Papua Neu Guinea. Hier haben wir schon wieder zwei kleine Erfolge, denn die Bewerbung aus Indien kommt aus Südindien. In dieser Region Indiens haben wir so gut wie keine Kontakte und die meisten der indischen Participants (es gibt mittlerweile knapp 200 Graduates) kamen aus Nagaland oder Manipur (Nordosten an der Grenze zu Myanmar). Auch aus Papua Neu Guinea hatten wir für einige Jahre keine Participants und auch nur noch sehr wenige Kontakte. Das wird dann hoffentlich 2008 wieder was… Wie gesagt ist nun die komplette Admissions- Arbeit für 2008 oder später. 2008 werde ich ja leider nicht mehr hier in ARI sein, und es ist schon ein bisschen schade, denn (nicht nur) die Arbeit macht sehr viel Lust, das (wieder einmal) mitzuerleben. Der ganze Prozess von Bewerbung, Informationsaustausch, ein erstes "Kennen lernen" per E-Mail, Telefon oder Post, die Hilfe für Visa und Flugtickets, Reisepass und viele Kleinigkeiten. Und dann letzten Endes: Die neuen Participants begrüßen… So wie dieses Jahr, Anfang April...
Ein paar Tage am Flughafen - Participants abholen
Nach sechs Tagen am Flughafen in Kamerun konnte die Reise endlich beginnen. Irgendwie lief die Kommunikation fehl. Niemand der Reiseagentur kam und brachte die Flugtickets. Vier Kameruner warteten ungeduldig, mit ihnen viele Familienangehörige und Freunde. Und niemand kam. Nach ungeduldigen sechs Tagen, und einigen Arrangements hier im ARI Büro war es dann soweit.
Doch fangen wir am Anfang an, denn die Kameruner waren die letzten, die hier in ARI ankamen.
Sonntags, Ende März, durfte ich für ein paar Tage an den Flughafen, um die Participants dort abzuholen. Da das oft nicht einfach ist, waren natürlich noch andere ARI Mitarbeiter da. Z.B. mussten wir uns aufteilen, da zur fast selben Zeit in zwei verschiedenen Terminals Participants ankamen, etc.
Als ein Mitarbeiter auf die Teilnehmerin aus Bangladesch wartete, und der Flieger auch schon gelandet war, kam der Anruf aus Bangladesch: Sie, Arati, ist nicht geflogen. Die Reiseagentur rief an. Das Ticket lag dort immer noch. Was ist passiert? Wir konnten es nicht wissen, denn wir hatten keinen direkten Kontakt mit Arati. Sie kommt aus einer sehr abgelegenen Region in Bangladesch - ohne Fax, Telefon und Internet. Also konnten wir nur hoffen und einen sehr aktiven ehemaligen Participant kontaktieren. Und irgendwie, wie immer, klappte es dann doch, und am nächsten Tag konnte ich Arati in Japan am Flughafen begrüßen!
Es war ein großartiger Moment all die Gesichter zu sehen, deren Hintergrund ich schon durch die Arbeit zu einem gewissen Maß kannte. Deren Namen ich schon kannte. Und es war spannend zu sehen, wie alle sehr überrascht waren zu sehen dass ich Dennis bin. Denn, wie viele später auch erwähnten stellten sie sich Michi und Dennis als alt, dick und irgendwie einfach anders vor. Eine Brille sollte ich auch haben, meinte ein Teilnehmer aus Sri Lanka, und der Bauch fehlt auf jeden Fall… Tja, auch insofern eben ein spannender Moment am Flughafen!
Letztendlich hatten die meisten der Participants kleinere oder größere Schwierigkeiten um letztendlich hier anzukommen. Obwohl zunächst alles sehr einfach aussah (was die Flüge betraf), so kamen dann doch viele Dinge zusammen. Für einen Filipino wurde der Flug gestrichen, die Participants aus Myanmar (ehem. Burma) mussten erst einmal für etwa sechs Tage in die Hauptstadt reisen und dann dort sage und schreibe einen ganzen Monat verbringen, um alles zu erledigen: Pass, Visa und Flugvorbereitungen. Die Probleme mit der indischen Teilnehmerin hatte ich ja schon in einem vorigen Bericht erwähnt. In Nepal war die politische Situation wieder einmal sehr düster, mit vielen Aufständen, sodass Binod, der diesjährige nepalische Teilnehmer, nicht wusste, ob er seinen Flug auch wirklich erreichen kann. Glücklicherweise ist hier nichts schief gegangen. Der Participant und der Training Assistant (TA) aus Ghana wurden für knapp zwei Stunden im Flughafen bei der Passkontrolle / Einwanderungsbehörde festgehalten und befragt; während ich ungeduldig am Ausgang auf die beiden wartete. Nach einiger Zeit hat einer der Angestellten dann hier in ARI angerufen, da er das ganze einfach nicht verstand.
Zwischendurch wurde ich auch von der Polizei nach meinem japanischen Ausweis befragt, sowie nach meiner Handynummer. Auf die Frage warum, erzählte er mir etwas von Terroranschlag und ein Ausländer wurde gesehen. In einer Durchsage hörte ich dann später, dass eine Zuglinie nicht mehr fährt, wegen irgendwelcher Probleme. War da ein Anschlag auf einen Zug? Letztendlich war es wohl aber nichts großes, da ich in den Nachrichten nichts gesehen oder gehört habe. Wie auch immer fiel mir wieder einmal auf, wie wenig Englisch die Japaner können. Selbst der Polizist konnte sich nur auf Japanisch mit mir unterhalten.
Da mich bisher noch niemand angerufen hat, glaube ich, hat sich das wohl alles aufgelöst, oder der Täter von was auch immer da war wurde gefunden.
Es ist April und der Frühling ist da!
Nun aber wirklich: Trotz aller japanischer Schüchternheit und Zurückhaltung vor Ausländern, hat sich der japanische Frühling nun also doch auch nach ARI getraut!
Auf dem Feld sind viele Gemüse am wachsen und auch die ersten Frösche und Schlangen sind aus ihrem Winterschlaf erwacht. Mit dem Frühling hat auch mein Hunger wieder zugenommen, so dass ich entweder fröhlich die direkt geernteten Karotten essen kann (ja, es ist toll zu wissen, dass keine chemischen Substanzen in unserer Erde sind), oder ich mal wieder bei den Hühnern vorbei schaue, die immer das Privileg haben, Brot von einer nahe gelegenen Schule zu bekommen. Diese Schule liefert die Brot-Reste des Mittagessens an ARI, und wir verfüttern dieses leckere Zeug (manchmal sind im Brot auch Schokoladenstückchen) dann nicht an uns selbst (wie schade), sondern an die Hühner. Oder auch an die Schweine, das kommt drauf an. Also schleiche ich mich dann als vor dem Foodlifework, meist am Nachmittag, bei den Hühnern vorbei, klaue ein, zwei Brote (Brötchen), und habe dann wieder Kraft um auf dem Feld alles zu geben.
Reis...
Mitte Mai werden wir diesen Reis dann in die Reisfelder verpflanzen

So genannte "Hotbeds" (heiße Beete). Wir haben einen Rahmen mit Holz und Stroh gebaut, dann wurde dieser mit vielen vielen Blättern gefüllt, die wir zuvor im Herbst alle im Wald eingesammelt haben. Diese Blätter mischen wir mit Wasser und Mikroorganismen und stampfen bzw. pressen dann alles zusammen (sprich: In das "Beet" reinhüpfen und drauf rum stampfen und tanzen)...

Anschließend kommt feine Erde drauf (gemischt mit Reishülsen-Kohle, falls ich mich richtig erinnere), und darin werden dann die neuen Samen für vieles Gemüse gepflanzt. Wie der Name schon sagt, kann hier eine sehr warme Umgebung geschaffen werden, und somit können die Pflanzen oder das Gemüse auch bei kaltem Wetter gut wachsen. Später nehmen wir die Pflanzen dann aus dem heißen Beet heraus und topfen sie um (siehe Bild rechts).
Anschließend werden diese dann im Feld eingepflanzt...
Neuigkeiten aus Uganda
Wie immer fühle ich mich sehr geehrt wenn ich Post von unseren Graduates aus Tansania oder Uganda bekomme. Nachdem nun mein Plan für Tansania soweit steht, war Uganda bisher noch nicht wirklich konkret. Nun habe ich mich mit Stuart in Kontakt gesetzt. Stuart war 1994 Participant in ARI und arbeitet nun in der Nähe des Lake Victorias in Uganda für seine Gemeinschaft und Leute. Er sendete mir innerhalb kürzester Zeit eine Nachricht, dass es ihn mehr als glücklich macht, mich in Uganda willkommen zu heißen. Er wird für mich nicht nur die komplette Reise organisieren, dass ich so viele Graduates wie möglich in Uganda in ihren Plätzen - vor Ort - besuchen und erleben kann, interviewen und befragen, sondern er organisiert des weiteren ein Treffen, zu dem alle Uganda- Graduates kommen werden, zum gemeinsamen Erfahrungen Teilen, und so weiter.
So verwandelt sich mein Traum von Ostafrika mehr und mehr in einen konkreten Plan. Und so werde ich in Tansania mindestens drei Graduates besuchen können und in Uganda so wie es aussieht zwölf.
Schafft Wissen Verantwortung?
Letzten Abend habe ich mich lange mit Jones unterhalten. Jones kommt von den Solomon Islands. Die Solomonen liegen im Pazifik, östlich von Papua Neu Guinea, es ist ein Land mit Tausenden Inseln und etlichen ethnischen Gruppen. Jones sprach vor allem über sein Land, seine Gemeinschaft und den Unterschieden zu Japan und der restlichen Welt. Jones ist erst seit etwa zwei Wochen in Japan, doch ist es unglaublich für ihn was er hier finden kann.
Er stand kurz davor, die Tränen in seinen Augen frei zu lassen. Vor Glück? Vor Trauer?
Wenn man in hier in Japan, in ARI ist, sagte Timothy aus Ghana einmal, dann sieht man so richtig, wie die eigenen Leute in der Heimat leiden. Hier sieht man erst wirklich, was Leiden heißt, und wie die Menschen zuhause dies durchleben.
Jones war kurz davor zu weinen nicht weil er glücklich ist hier zu sein (was er durchaus ist), sondern weil er das Leiden seiner Leute erinnert.
"Die Solomonen" so erzählte er mir, immer mit energischer und etwas trauriger Stimme, "ist die letzte Region auf dieser Welt die sich entwickeln". "Welche Klasse sind wir?". "Wenn ich dich sehe, du, der in Deutschland aufgewachsen ist und nun hier in Japan ist, dann kann ich sagen, dass für dich das hier keine Überraschung, nichts neues ist." Hier wollte ich einwenden, dass es dies aber doch sei, da ich hier mit Menschen wie ihm selbst zusammen lebe. Es ist sehr verschieden, aber dann begann ich zu verstehen. Für ihn ist es krass. Für ihn hat sich sein Leben innerhalb weniger Sekunden so radikal geändert. "Wenn du in unsere Dörfer gehst, dann siehst du nicht nur die Kinder nackt rumlaufen. Wenn eines dieser meiner Kinder dieses elektrische Licht hier sehen würde, es wäre so erstaunt und verwundert!"
"Wir haben vier Autos in unserer gesamten Organisation. Wenn wir mit einem Auto irgendwohin fahren, dann rennen die Menschen hinterher, sind erstaunt und gespannt."
"Ich bin in einer ländlichen Gegend aufgewachsen. Das hier, hier in Japan, hier wo ARI ist, wird ländlich genannt, aber ich kann hier nichts ländliches sehen!"
Wenn wir von Entwicklungsländern sprechen so betonen wir die Gleichheit aller Menschen. Wir wollen nicht unterscheiden, ja wir wollen oft gar nicht mal das Wort "Entwicklungsland" benutzen. Wir wollen das Wort "Entwicklung" vermeiden, weil es eine Bewertung beinhaltet. Und dann höre ich Jones selbst sagen: "Wir sind nicht entwickelt. Wie können wir uns entwickeln? Welche Klasse sind wir?"
Für uns ist es einfach zu sagen alle Menschen sind gleich. Für uns ist es einfach zu sagen, dass wir nicht in Begriffen von Klassen oder Entwicklung reden sollten. Doch wie ist es, das von den wirklichen Leuten, die es betrifft, zu hören? Man hört eine Wahrheit. In Bezug auf viele Dinge sind unsere Länder entwickelt, und wenn man das begreift, dann kann man auch die komplette Tragweite verstehen. Wenn wir sagen, es gibt keine Unterschiede, wenn wir sagen es sind kulturelle Unterschiede und manche Kulturen brauchen keine solchen Materialien wie wir sie haben, dann machen es wir uns natürlich einfach.
Da saß ich - gegenüber Jones, der sich während er mit mir redete an seine Menschen erinnerte, an seine Reise nach Japan. An seine Frau und Kinder.
Immer noch sind meine Gedanken verwirrt. Aber mehr und mehr frage ich mich: Schafft Wissen denn nicht Verantwortung?
"Ich möchte, dass du mein Land siehst. Ich möchte, dass du meine Leute siehst. Dann kannst du begreifen."
Und wieder hat Anfang April eine Naturkatastrophe zugeschlagen. Mindestens 28 Menschen sind gestorben und mehr als 900 Heime wurden zerstört, sodass mehr als tausend Menschen nun obdachlos sind. Wieder einmal eines der ärmsten Länder der Welt dem es, nicht nur durch finanzielle und politische Abhängigkeit, sondern auch durch Naturkatastrophen noch schwerer gemacht wird.
Hier sitze ich vor meinem Laptop, schreibe diesen neuen Bericht, denke zurück an mein Leben in Deutschland mit Auto und luxuriösem Leben. Ich konnte in einem warmen Haus leben, hatte Nahrung im Überfluss, gute Bildung. Es klingt viel nach Klischee, man hört es oft, solche Worte. Aber da sitzt mir einer gegenüber, so nah, direkt - ich begreife.
Wissen schafft Verantwortung.
Und das ist das gefährliche, wovor, so glaube ich, so viele Menschen Angst haben. Wenn sie erst einmal begreifen, was diese Welt wirklich ist, dann gibt es keinen Ausweg. Wenn wir die Angst in jenen Augen sehen, die gesamte Geschichte von Völkern in jenen Augen, das Leid und die Trauer, was bleibt uns da übrig als zu begreifen?
Und wenn ich davon spreche, dass ich denke dass durch eine Zusammenarbeit von Entwicklungsländern und Industriestaaten (im individuellen Rahmen), beide Seiten von einander lernen können, dass auch "unsere" Menschen so viele Probleme haben, so fühle ich mich so schlecht wenn ich mit Jones zusammen sitze. Ich spreche davon, dass Japan das Land mit der höchsten Selbstmordrate ist; dass die Menschen in den Industriestaaten keineswegs glücklich sind; dass es viel zu tun und zu ändern gibt in "unseren" Ländern. Aber dann sehe ich diese Menschen wie Jones aus den Solomonen. Und dann fühlt sich meine Idee, mein Glaube nichtig an. Verschwindend klein. Lächerlich.
Und dann verstehe ich dass er Tränen in den Augen hat. Was sitze ich hier rum? Was machen wir? Was machst du, was machen Sie?
Und dann sehe ich die zweite Angst, die, so glaube ich, sicherlich viele Menschen haben. Egal was meine Pläne waren, egal wer ich war, ich kann nicht anders als mich aufgeben. Und zwar dafür, dass ich so hart, so weit wie möglich versuche, zu helfen.
Molière sagt: "Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun."
Wissen schafft Verantwortung, und wir können nicht mehr wegrennen. Wir können nur versuchen, dieses Wissen zu ignorieren. Uns mit allerlei Dingen, mit allerlei Vergnügen abzulenken. Mit Fernsehen, Filmen, Alkohol, Autos, Unterhaltung, Büchern. Und immer bleibt ein fader Beigeschmack.
Und da kommt mir eine Idee: Wieso können so viele von uns, die wir in einem Land des Überflusses leben, nicht wahrhaft glücklich sein? Natürlich hängt viel von den sozialen Strukturen zusammen, mit der Kommunikation, die dank des Fernsehens und Computers (Internets) und des Mobiltelefons mit den Textnachrichten, mehr und mehr verloren geht. Doch da muss es mehr geben: Ist es das Verdrängen von Wissen? Das Verdrängen von Verantwortung?
Ja, vielleicht können wir nicht selbst unser Leben bestimmen, sondern haben einen Plan gegen den wir uns nicht wehren können. Wir können nur immer wieder versuchen ihn zu ignorieren, und somit unglücklich werden. Oder wir können versuchen die Verantwortung auf uns zu nehmen.
Bis zum nächsten Bericht, Ende Mai.
Dennis Keller
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