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Zivildienst (ADiA) in Japan im Asian Rural Institute (ARI) - Berichte:    ( Nach oben    Übersicht )

Bericht 5 - Ruhe

vom 30.12.2006 03:47


Die Participants sind daheim. Letztendlich und alle. Da war der offizielle "Commencement Service", an dem die Participants ihr Zertifikat erhalten, da war die Woche in dem alle Participants (jetzt heißen sie Graduates) uns verlassen haben, da war die Zeit danach, neue Arbeit, Weihnachten, und schließlich Urlaub und ein neues Jahr.
Es war wieder einmal eine sehr intensive Zeit, sehr anders und jetzt ist alles ruhig. Und still. Die meisten der Mitarbeiter sind bei ihren Familien, Neujahr steht vor der Tür, und offiziell fängt die Arbeit erst wieder am 5. Januar an.
Aber eins nach dem anderen.

Commencement Service - Graduieren oder wie man auch sonst Heim kommen kann
Am 9. Dezember 2006 war der "Commencement Service" - DER Tag für die Participants. Seit diesem Tag ist das offizielle Training Programm beendet und sie sind nun keine Participants mehr (Teilnehmer) sondern Graduates (Graduierte).
Dieser Tag bestand hauptsächlich aus lang gedehnten Reden in Japanisch und Englisch, vielen Fotos, die man für alle mit allen Kameras machen sollte, vielen so genannten wichtigen Gästen, die man dann auch alle (natürlich in Japanisch und Englisch) einzeln vorstellen musste. Dann gab es Tee und Kuchen und man konnte sich mit den wichtigen Gästen unterhalten oder mit den Graduates oder mit den Freiwilligen oder mit den Mitarbeitern oder mit dem Computer oder mit der Wand.
Alles in allem war es langwierig, immer mit dem Gefühl, all diese tollen Menschen verlassen innerhalb der nächsten Tage diese Gemeinschaft für immer, viele sieht man wohl nie wieder aber auf alle Fälle sieht man sich so, in dieser Konstellation, in dieser Gemeinschaft nie wieder. (Das ist eben eines der wichtigen Punkte in ARI: Die Dynamik der Gemeinschaft, die im Kleinen sich fast jeden Tag ändert, aber im Großen mindestens jedes Jahr mit dem Kommen und Gehen neuer Participants.)
Für die frischen Graduates war es schön, all ihre Unterstützer wieder zu sehen, sich bedanken zu können, das Zertifikat erhalten zu dürfen. Und nach einem langen Tag war es vorbei. Und der nächste Tag sollte wieder irgendwie normal sein. Auch wenn die ersten Graduates schon ARI verlassen hatten, man die ersten Verabschiedungen schon irgendwie erledigen musste.

Der ARI Vertrag, den jeder Participant im Voraus unterschreibt, sieht es vor, dass die Graduates binnen 10 Tagen nach dem Commencement Service in ihr Heimatland zurückkehren müssen. Das hat verschiedene Gründe, vor allem aber den, um vor dem "Abhauen" von Graduates vorzubeugen. Es gab einige Fälle, leider immer mal wieder, dass Graduates oder Participants in Japan (illegal) geblieben sind. Auch dieses Jahr waren wir erst nicht sicher, ob es zu diesem Fall kommen sollte, letztendlich hatte es sich dann aber alles geklärt. Der nepalische Graduate ist schon direkt nach dem Service gegangen, um vor seinem Flug, der ein paar Tage später gehen sollte, noch seinen Cousin in Japan zu treffen. Es kam dann jedoch die Nachricht zu uns, dass besagter Graduate früher aus dem Zug ausgestiegen ist, scheinbar nie bei seinem Cousin ankam, und eben irgendwo ist - man weiß es nicht.
Schließlich musste ARI nach einigen Tagen die Polizei kontaktieren. Das interessante war eben, dass er nicht zu seinem Flug erschien, und diesen abgesagt hat. Jedenfalls meldete er sich einige Tage später letztendlich doch bei ARI und sprach davon, dass er seine Unterstützer treffen wollte, bevor er abreise, und dafür hätte er mehr Zeit benötigt. Ein paar Tage später ist er dann jedoch nach Nepal zurück geflogen.
Neben diesem Fall gab es auch noch einen traurigen Fall. Ein Graduate aus Kamerun musste einige Tage vor dem Service zurück fliegen, da sein Vater sehr krank war. Als er in Kamerun ankam, hat er seinen Vater leider tot aufgefunden.

Die Woche danach
…sind die restlichen Graduates Heim geflogen. Die verbleibenden Mitglieder dieser Gemeinschaft sind in dieser Woche nachts um 3 oder 4 aufgestanden, damit wir alle verabschieden konnten. Es war eine traurige Woche. Tag für Tag wurde es leerer hier, und immer wieder entfernten wir einen der großen runden Tische im Essens- und Aufenthaltsraum; bis nun schließlich nur noch 2 von 10 Tischen hier stehen, die manchmal trotz alledem nicht ganz besetzt sind.
Es wurde leiser hier und irgendwie familiärer. Die Temperatur wurde kälter.

Verabschiedungen sind hier alltäglich. Nicht nur vor allem im Sommer, wenn viele viele Working Visitor zu Besuch sind, die teilweise nur wenige Tage aber manchmal auch einige Wochen hier bleiben, sondern auch über das ganze Jahr verteilt, mit vielen Freiwilligen und eben den Participants. Man muss sich oft verabschieden, weiß nicht, ob man sich wieder sehen wird, ob man in Kontakt bleiben wird. Man wird immer wieder auf den jetzigen Moment zurückgeworfen, dass man diesen genieße, ausnutze, und mit dem höchstmöglichen Potential ergreift. "Everyone should live to his or her fullest potential", heißt es irgendwo im ARI Motto oder der Philosophie. (Jeder soll mit dem höchsten Potential leben) Das ist genau das, was man hier macht oder worin man ganz praktisch immer wieder durch all die Ereignisse und Geschehnisse, Menschen und Freundschaften, Neuankömmlinge und Verabschiedungen erinnert wird.
Man spürt die Begrenztheit von allem, wie zeitlich alles nur kurz ist, sei es das Training der Participants, die Freundschaften mit großartigen Persönlichkeiten, die Arbeit oder letztendlich das Leben selbst. Und dann sieht man aber, dass mit jedem Tod auch eine Metamorphose stattfindet. Dass durch alles, was verschwindet, ein Prozess beginnt, in dem man begreift, lernt, reflektiert, zurückschaut und dadurch vorwärts schauen kann, in sich schauen kann, sich selbst besser begreifen und an sich arbeiten kann. Wie Christo, ein moderner Künstler sagt, können wir Schönheit dann erst richtig schätzen und sehen, wenn wir die Verletzlichkeit und zeitliche Begrenztheit wahrnehmen. Durch viele Kleinigkeiten (hier) lernen wir, so wie ich durch Gespräche mit anderen mitbekomme, direkt über das Leben an sich, und den Menschen darin.
Da war sie mal wieder, die ausschweifende Philosophie. Und das, wo wir hier doch auf dem Feld arbeiten, ganz praktisch und banal. Aber um eine Mitarbeiterin zu zitieren: Für mich ist das Feld meine Kirche. Das Feld ist der Platz, an dem ich mit Gott in Kontakt treten kann.
Die Arbeit als Platz für Meditation. Für Spiritualität.
Und dass ökologische Landwirtschaft und menschliche Spiritualität in einem Zusammenhang stehen, der logisch ganz klar gezeigt werden kann, hat Koshi-san (japanischer Graduate) überzeugend in seiner Abschluss-Präsentation gezeigt. Dazu aber später (in einem anderen Bericht).

Die Arbeit - natürlich wieder anders!
Aufgrund des Winters ist die Arbeit auf dem Feld nur noch sehr beschränkt möglich und nötig. Dadurch hat sich auch meine Arbeit geändert. Aber auch generell haben sich die Aufgaben für die Foodlifework-Zeit geändert. (Kleine Erinnerung: Foodlifework ist immer morgens und nachmittags eine Stunde. Meine Arbeit hier bisher war jeweils auf dem Feld.)
Statt beides Mal auf dem Feld zu arbeiten, bin ich für den Winter nun morgens in der Küche und helfe beim Frühstück kochen. Nachmittags bin ich weiterhin "auf dem Feld". Korrekterweise stimmt das nicht ganz. Es heißt "Crops and Vegetables" und es geht um die Arbeit mit dem Gemüse. Ab und zu ernten wir schon noch etwas (meist Blattgemüse wie Kohl oder Salat), aber ansonsten fallen meist andere Arbeiten an: Heruntergefallene Blätter einsammeln (Herbst, oder eher ökologische Landwirtschaft ist eine tolle Erfindung!), die wir dann später weiterverwenden können, um eine bestimmte Art von "heißen Feldern" zu machen, in dem bestimmte Mikroorganismen wachsen können, die sehr hilfreich für ökologische Landwirtschaft - und somit dem Wachsen und der reichen Ernte von gesundem Gemüse - sind. Oder wir räumen die letzten Felder auf, oder wir sortieren Bohnen (die schlechten werden weggeworfen, die guten kommen in die Küche oder zum Verkauf), oder wir kleben Etiketten auf unseren selbst hergestellten Karottensaft, den wir (nicht billig, ist ja ökologisch) verkaufen. Oder wir sammeln Feuerholz. Oder… Die Arbeit ist verschieden, zurzeit sind allerdings Ferien.
Auch wenn wir durch das praktische Arbeiten viel lernen, so "fehlen" uns quasi doch die theoretischen Grundlagen der ökologischen Landwirtschaft. Um dem abzuhelfen, wird eine der Mitarbeiterin, die für "Crops&Vegetables" zuständig ist, im Winter ab und zu Unterrichtsstunden oder Vorträge geben, zu denen wir freiwillig kommen können.

Die Arbeit in der Küche
Morgens, von 7 bis etwa 8:15 bin ich nun seit Mitte Dezember immer in der Küche und helfe beim Frühstück Vorbereiten. Da es bei uns morgens nicht einfach nur Cornflakes oder Brot gibt (genau, das haben wir hier nämlich beides nicht wirklich), kochen wir morgens ganz normal, so wie auch zum Mittag- oder Abendessen. Also es heißt Reis Kochen, irgendwie ein paar der so vielen Eier verwenden (z.B. in dem man Spiegeleier oder Rührei macht), die Reste des Vorabends erwärmen oder weiterverwerten und je nach dem was gerade so da ist, wie viele Leute wir sind oder worauf wir Lust haben entsprechend etwas anderes kochen. Wir sind meist zu zweit oder zu dritt in der Küche, so dass man alles in der Stunde schafft und meist pünktlich auf die letzte Minute mit dem Essen fertig wird.
Da ich nun nicht sehr erfahren bin, was das Kochen und Herumexperimentieren mit neuartigen Gemüsesorten betrifft, und ich, neben Nudeln und anderen Standartsachen, kein ausgewiesener Koch bin (um es kurz zu machen: da ich nicht wirklich kochen kann), ist es natürlich dementsprechend herausfordernd nun hier zu arbeiten. Ich bin froh, dass ich hier (hoffentlich) Kochen lerne, ein bisschen habe ich auch schon - mal schauen, was draus wird. Im Vergleich stelle ich mich aber halt schon noch ein bisschen dumm an.
Das macht aber nichts, und die anderen sind immer sehr hilfsbereit, wenn ich dann immer mal wieder mit ein paar "dummen" Fragen daherkomme.
Insofern macht mir die Arbeit Spaß. Bis März werde ich hier wohl sein, jeden morgen, nur sonntags nicht.

Was tut sich im Büro?
Natürlich tut sich hier einiges, und im Großen und Ganzen machen wir mit der Arbeit weiter, die ich in meinem letzten Bericht schon beschrieben habe. Mehr und mehr sehe, wie unsere Projekte doch mehr Zeit in Anspruch nehmen, als gedacht und geplant. So etwa für die Website. Wo ich eigentlich vorhatte, sie innerhalb dieses Kalenderjahres abzuschließen, muss ich nun feststellen, dass auch mindestens der Januar noch benötigt wird, und die Website dann hoffentlich vor der Ankunft der neuen Participants (Anfang April) fertig gestellt sein wird (lieber denke ich nun so, und freue mich dann, wenn wir vorher fertig werden).
Es gibt eine Menge zu tun, Tag für Tag. Da kommen immer mal wieder Anfragen, ob eine Organisation nicht diese oder jene Person hierher senden kann, nebenbei müssen wir den neuen Kandidaten (das heißt den im April kommenden Participants) bei ihren Visums-Bewerbungen assistieren, bei ihren Pass-Beantragungen, und bei allen Fragen und Unklarheiten.
Außerdem möchten wir immer wieder versuchen, das komplette System zu verbessern, so z.B. dass wir für 2008 mehr Bewerbungen bekommen, aber auch dass der komplette Prozess des "Pre-Screening" (wenn wir die Organisationen überprüfen, Fragen stellen, Informationen sammeln und letztendlich absagen oder ein Bewerbungsformular für einen möglichen zukünftigen Participant senden) effektiver abläuft. Um Betrug vorzubeugen, sollte am besten vor Ort jemand die Organisation überprüfen. Wer eignet sich hier besser, als nicht die Graduates selbst, die in diesem Land leben. So wollen wir nun schon vom direkten Anfang des Bewerbens, also wenn eine Organisation bei ARI anfragt, den Kontakt zwischen jenen neuen Organisationen und unseren Graduates aufbauen und stärken. So wird der komplette Prozess effektiver, und wir merken nicht erst wenn wir einen Bewerber schon akzeptiert haben, dass diese Organisation, für die er scheinbar arbeitet, gar nicht mehr existiert (was dieses Jahr, also für 2007, der Fall war). Auch da viele ARI-Mitarbeiter und Langzeitfreiwillige oft Graduates in Entwicklungsländern besuchen gehen, möchten wir auch hier den Kontakt zu Organisationen stärken. So können diese Besucher, die ja sehr authentisch über ARI erzählen können, aber auch sehr effektiv (da entsprechendes Hintergrundwissen und Kenntnisse) die Organisation und die Arbeit prüfen können, zusammen mit Graduates z.B. Treffen veranstalten, oder die einzelnen interessierten Organisationen besuchen.
Und all das muss irgendwie koordiniert, geplant werden. Die Mitarbeiter, die ins Ausland gehen, brauchen Informationen von den Organisationen, brauchen Adressenlisten mit Details, usw. Also es heißt für mich: Mithilfe der Datenbank die Informationen sammeln und automatisch generieren lassen. Dazu muss ich dann entsprechend einen neuen "Bericht programmieren", der die entsprechenden Daten dann Bereit stellt. (Microsoft Access).
Und dann muss natürlich der Kontakt mit den Graduates in den jeweiligen Ländern aufgebaut werden, oder aufgefrischt werden, oder auf ARIs neue Ideen hingewiesen werden. Viel Arbeit, und nebenher wollen wir noch eine neue Broschüre machen, die Website erneuern, das Network-Magazin erstellen.
…Aber zurzeit ist Urlaub, es ist ruhig.

Weihnachten
Weihnachten war sehr ruhig und natürlich sehr anders. Wir hatten uns gemütlich zusammen gesetzt, gesungen, Spiele gespielt und ein kurzes Weihnachtsspiel aufgeführt: Die Rollen wurden spontan zugeteilt, und "ARI flavoured" wurde das dann vorgetragen. ARI flavoured bedeutet, ARI typische Englische Wörter wurden benutzt, oder typische Phrasen. Für die Insider: "Hi, my name is Mary. Please call me Mary-chan. Please take care of me nicely", "Is this a star? Sugoiiii"… Und so weiter :
Dann haben wir uns auch kleine Geschenke ausgetauscht (jeder sollte ein Geschenk für etwa 500 Yen vorbereiten, was etwa 3,50 Euro entspricht). In diesem Sinne waren dann natürlich die meisten Geschenke eher Spaß-Geschenke.
Ich selbst bekam eine Brille, mit der man gleichzeitig nach vorne und hinten schauen kann. Die Spiegel kann man aber auch so verstellen, dass sich der Gesprächspartner selbst beobachten kann. (Siehe Bild)
Trotz all der Begeisterung über dieses wundervolle Geschenk, war Weihnachten doch der Zeitpunkt wo ich meine Familie ein wenig vermisst habe und auch meine Freunde in Deutschland. Gleichzeitig ist es schön zu sehen, wie die Gemeinschaft hier in ARI immer mehr zusammenwächst und quasi wie eine Familie ist.

Zu meinem Geburtstag und Silvester werde ich mit ein paar meiner Freunde nach Tokyo gehen. Mitte Januar wurde ich für ein paar Tage nach Kyôtô, eine wichtige und sehr traditionelle Stadt im Südwesten Japans, eingeladen. Ansonsten muss ich sagen, freue ich mich sogar wieder sehr auf die Arbeit nach dem Urlaub (Anfang Januar), und schon jetzt auf das Kommen der neuen Participants im April, auch wenn ich noch sehr die Ruhe und Stille über den Winter genieße.

Nach ARI
Wie ich auch schon in meinem letzten Bericht kurz angedeutet habe, möchte ich nach ARI Graduates besuchen gehen. Diese Idee hat sich nun zu einem Plan verwandelt, den ich schon mehr oder weniger konkret ausarbeiten musste.
Ich werde nun bis Ende Juli in ARI, in Japan, bleiben. Das heißt, ich werde dann 11 Monate in ARI gewesen sein. Da ich mein Ticket leider nicht umbuchen kann, muss ich zunächst nach Deutschland zurückfliegen und von dort aus fliege ich dann nach Tansania in Ostafrika. In Tansania werde ich etwa zwei Wochen bleiben und reise dann weiter nach Uganda, von wo aus ich dann wiederum zwei Wochen später nach Deutschland zurückfliegen werde. Das heißt, ich werde insgesamt einen Monat in Ostafrika verbringen.

1. - Was und wo?
In beiden Ländern werde ich Graduates, also ehemalige ARI Participants, besuchen gehen. Eventuell werde ich die Reise auch dafür nutzen, zusammen mit Graduates Organisation zu besuchen, die am ARI Training interessiert sind, aber bisher noch keine Menschen zu ARI gesendet hat, und die so entsprechend mehr und authentische Informationen wünschen. Durch diesen Besuch kann auch ARI dann bessere, authentischere Informationen erhalten, und man kann Betrug vorbeugen und die wirkliche (Arbeits- und Lebens-)Situation sehen.
In Tansania werde ich auf alle Fälle zwei Graduates besuchen, allerdings wahrscheinlich dann dort auch noch weitere Graduates treffen. Einer ist Father Domitien (siehe rechts), der dieses Jahr Participant war, den ich also gut kenne. In Uganda werde ich so wie es aussieht drei Graduates besuchen. Da jedoch dort zur Zeit die "EastAfricanReunion" geplant ist - ein Treffen für zunächst alle Ugandischen ARI Graduates - werde ich vielleicht an dieser Versammlung teilnehmen können.
Wie dann mein genauer "Alltag" dort aussehen wird, weiß ich nicht - das hängt auch sehr von den Graduates ab, die ich besuchen werde, da auch die natürlich einiges planen.

2. - Wieso überhaupt?
Wiederum bedeutet dieser Schritt eine Menge Organisation, Planung, Geld und eventuell ein bisschen Stress. Auf der anderen Seite …
Durch viele Gespräche mit den Participants hört man sehr viel über die Lebenszustände, die Arbeit, die Armut, die Unfruchtbarkeit des Landes, Trockenheit, aber auch die tropischen Zustände, reiche Flora und Fauna, und so weiter. Man kriegt täglich irgendwie mit, wie es in jenen Entwicklungsländern sein muss. Immer wieder fragte und frage ich mich auch, wie all diese Graduates das Training hier in Japan in ihren (teils so verschiedenen) Ländern anwenden können. Wie kann diese ökologische, integrierte Landwirtschaft z.B. in einem Gebiet betrieben werden, das eigentlich nicht fruchtbar ist? Das aus wüstenähnlichen Gegenden besteht, trockener Savanne? … (so wie in Tabora in Tansania, zum Beispiel.)
Wie können die Träume der Graduates verwirklicht werden - dass eine Familie sich selbst ernähren kann, dass die Kinder zur Schule gehen können, dass die Erde (und damit jegliche Lebensgrundlage) nicht durch chemische Mittel zerstört wird? Wie sieht das praktisch - Tag für Tag aus?
Mit diesem Hintergrund habe ich mich von der Idee leiten lassen, den letzten Monat dieses ARI Jahres durch "Praxis" abzuschließen. Neben all der Theorie über Entwicklungsländer, kann ich dieses Wissen, so jedenfalls meine Hoffnung, in diesem letzten Monat zu einem gewissen Teil auch praktisch und ganzheitlich erfahren.
Nachdem ich viel über das Ziel nachgedacht hatte, wohin ich eigentlich gehen solle, ich zwischen Myanmar, Indonesien, Tansania, Kenia und Uganda geschwankt habe, so entschied ich mich nun für Tansania und Uganda. Myanmar (das ehemalige Burma) ist politisch zu unstabil, so dass ich hier lieber ein paar Jahre warten möchte. Und zwischen Ostafrika und Indonesien war es eine schwierige Entscheidung. Letztendlich aber hatte ich ja schon lange den Wunsch einmal nach Tansania zu gehen, ich hatte letzten Sommer angefangen, Kiswahili zu lernen, hatte damals im Abitur im Fach Geschichte über Tansania präsentiert, und durch all dieses Hintergrundwissen fühle ich mich auch ein wenig "wohler" in Tansania. (Und die Idee, auch noch das Jahr drauf nach Indonesien zu können, hat mir die Entscheidung vereinfacht…) Sehr interessant nämlich ist, dass Mwalimu* Nyerere (Bild rechts), der erste tansanische Präsident, in den 60ern den so genannten Ujamaa** Sozialismus eingeführt hatte (der mittlerweile jedoch nicht mehr praktiziert wird). Ich möchte diesen jetzt nicht lange erklären (auch wenn es sehr interessant ist). Jedenfalls beruht dieser auf der Überzeugung, die tansanische Gesellschaft müsse auf Landwirtschaft basieren. Landwirtschaft spielt die größte Rolle in Uganda und Tansania (wie auch in vielen anderen afrikanischen Ländern). Nyerere versuchte eine Gesellschaft aufzubauen, die "self-sufficient" (autark, selbstgenügsam, unabhängig) und "rural based" (basierend auf dem Ländlichen) ist. Er baute so genannte "Ujamaa"-Dörfer, in denen Familien und Bewohner in einer Gemeinschaft zusammen wohnten und für das gemeinsame Wohl arbeiteten.
Trotz aller finanziellen Probleme gegen Ende, und vieler politischer Schwierigkeiten, hat dieses (ideelle) Konzept eine sehr große Ähnlichkeit mit den Zielen von ARI. Gerade hier interessiert mich auch: Was ist von diesem Ujamaa-Ideal hängen geblieben, wie gehen die Menschen heute damit um, wie kam es damals bei ihnen an… Vielleicht kann man auch hier Vergleiche zum ARI Training ziehen. Natürlich muss man sagen, dass ARI auch viele und ganz anders geartete Ziele und Vorgehensweisen hat. Trotz allem bestehen Ähnlichkeiten.

3. - Wie?
Zwar kann mich leider weder ARI noch der SFD finanziell unterstützen, jedoch kann ich über ARWA, eine japanische Organisation, die ARI unterstützt, einen Teil meiner Reisekosten erstattet bekommen. ARWA unterstützt Langzeitfreiwillige bei ARI, die Graduates besuchen möchten. Dabei bezahlen sie maximal die Hälfte der Reisekosten bis zu einem Höchstbetrag von 100.000 Yen (etwa 670 Euro). Da mein Flug knappe 900 Euro kosten wird, hoffe ich, 450 Euro Unterstützung von ARWA zu erhalten.
Bewerbungsschluss hierfür ist der 15. Januar.
Ganz herzlich möchte ich mich auch bei meinem Unterstützerkreis bedanken! Schon 150 Euro hat der SFD für mein Projekt in ARI zusätzlich erhalten, was ich somit für dieses Projekt verwenden kann.
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* Mwalimu = Swahili für "Lehrer"; ** Ujamaa = Swahili für "Gemeinschafts-, Familiensinn"

Dennis Keller

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